Abschied nehmen heißt, da gewesen zu sein

[mg] Vieles verbindet das GESW mit der Geschwisterorganisation Stätte der Begegnung e.V., die ebenfalls in Vlotho beheimatet ist. Die Bildungseinrichtungen sind nicht nur durch Kooperationsveranstaltungen verbunden, sondern auch gegenseitig in den Vorständen vertreten. Die freundschaftliche Zusammenarbeit beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die institutionelle Ebene, sondern auch die Mitarbeiter*innen kennen sich und arbeiten gerne miteinander. Harald Meves, Geschäftsführer der Stätte, hat hieran großen Anteil und ist tatsächlich nicht nur für die Stätte, sondern auch für das Studienwerk auf außerordentliche Art und Weise da gewesen. Am 30. November 2018 wurde er im Vlothoer Jugendhof in den Ruhestand verabschiedet. Der Vorstandsvorsitzende des GESW, Dr. Zbigniew Wilkiewicz, hat zu diesem Anlass eine Laudatio gesprochen.

Lieber Harald,

alles hat bekanntlich seine Zeit – und dann ist es auch gut und du bist raus aus dem Geschäft, einer pädagogisch und gesellschaftlich – mehr denn je – sinnvollen und notwendigen Aufgabe.

Sicherlich darfst du in Anspruch nehmen, nicht nur in der Stätte, sondern auch im Studienwerk diesem Auftrag stets mit Engagement, zuverlässig und phantasievoll nachgegangen zu sein.

Allerdings ist diese Arbeit besonders dann, wenn man über lange Jahre neben pädagogischen Pflichten gleichzeitig die Leitung und später sogar den Vorstandsvorsitz einer solchen Einrichtung wie der Stätte inne hat, kein reines Zuckerschlecken, zuweilen löst sie sogar Existenzängste aus, bringt einen um den Schlaf und sorgt regelmäßig für erhöhten Blutdruck und kräftigen Pulsschlag.

Besonders dann, wenn die Bedeutung und der Sinn gemeinnütziger Arbeit von maßgeblichen fördernden Stellen geschmälert oder gar in Frage gestellt werden oder die Arbeitsbedingungen aufgrund absurder Sparansätze in Bund, Land und Städten sowie durch eine falsch verstandene und angewandte Auslegung von Subsidiarität für die freien Träger immer schwieriger, nicht selten erdrückend werden. Dann stehen nicht nur einzelne Programme und Stellen zur Disposition, sondern auch ganze Einrichtungen, bei denen dann sprichwörtlich das Licht ausgeht.

Besonders in den letzten beiden Jahrzehnten nach der sog. Wende führten die durch eine neoliberale Wirtschaftsideologie befeuerten und an der falschen Stelle ansetzenden Sparmaßnahmen zuweilen zu einschneidenden Mittel- und Stellenkürzungen, dramatischen organisatorischen und personellen Umstrukturierungen sowie zu zeitaufwändigen, angeblich notwendigen Zusatzaufgaben, die uns zu harten Anpassungen gezwungen haben. Ich erinnere hier nur an die aufwändige Implementierung der allseits so beliebten Qualitätsmanagementsysteme.

Im Rückblick auf die bewegten Jahre unseres 21 .Jahrhunderts stellt man allerdings erfreut fest, dass die Stätte, die – wie auch das GESW – zeitweilig in ihrem Bestand bedroht schien, diese Herausforderungen aufgrund einer durchweg kundigen, engagierten und solidarischen Leistung ihrer Mitarbeiter/innen und eines vorzüglichen, Hand in Hand arbeitenden Leitungsteams hervorragend und erhobenen Hauptes gemeistert hat.

In diesem Leitungsteam hat Harald Mewes zweifelsohne die erste Geige gespielt und das zuweilen recht eigensinnige stättische Kammerorchester humorvoll, behutsam und empathisch geleitet, zuletzt sogar zwei Hüte auf dem Kopf gehabt. Dass er jetzt einen dieser Hüte abgibt, bedeutet für uns aber keinesfalls barhäuptiges Unbehütet-Sein, denn sicher wird er auch zukünftig für die Stätte – wenn auch nur noch ehrenamtlich – einen Hut aufbehalten und sie somit weiterhin behüten.

Das sage ich natürlich nicht ganz uneigennützig, habe ich doch dabei nicht nur unsere stets konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit im Vorstand der Stätte im Sinn, sondern auch unsere nicht minder gute Kooperation im GESW. Ich hoffe, dass wir auch zukünftig mit Unterstützung unserer Kolleginnen und Kollegen aus beiden Häusern ein eingespieltes Tandem bleiben und unsere Beziehungen vielleicht sogar ausbauen können!

Aber unabhängig von all dem Geschäftlichen: Es ist gut, wenn man noch halbwegs gesund, körperlich und geistig rege, den Teilabsprung schafft, das Steuer an eine jüngere Person übergibt und sich fortan verstärkt Dingen widmen kann, die man gerne tut: zum Beispiel dem Reisen, dem Kochen und Essen, dem Nichtstun – oder wie das bei Dir sicher der Fall sein wird – dem Kabarett.

Das alles und noch viel mehr kannst du fortan tun, ohne in ein eisernes Zeitkorsett der Pflichten eingespannt zu sein, selbstbestimmt und frei von zahlreichen beruflichen Zwängen und Fährnissen.

Und dazu gratuliere ich dir als Vorstandskollege der Stätte und als Vorstandsvorsitzender des GESW von Herzen – in der Hoffnung und Gewissheit, dass du den Übergang in den sog. Ruhestand mit Humor meisterst, dem Rentnerdasein viel Freude abgewinnst und auch uns noch gehörig Spaß bereitest und last not least weiterhilfst – sei es als kluger Vorstandskollege oder als scharfsinniger Kabarettist – oder am besten als beides in einer Peron. Denn – ohne Humor ist sogar alles – selbst das Rentnerdasein – nichts!

 

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