{"id":4199,"date":"2023-01-10T00:55:54","date_gmt":"2023-01-09T22:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesw.de\/?p=4199"},"modified":"2023-01-10T00:57:34","modified_gmt":"2023-01-09T22:57:34","slug":"nach-dem-marder-den-leo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2023\/01\/10\/nach-dem-marder-den-leo\/","title":{"rendered":"Nach dem Marder den Leo?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dr. Zbigniew Wilkiewicz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberraschend ist diesmal der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron vorgeprescht und hat der Ukraine am Mittwoch letzter Woche (wohl nach Verhandlungen seines Verteidigungsministers S\u00e9bastien Lecornu in Kiew) die Lieferung von Sch\u00fctzenpanzern des Typs AMX-10 RC angeboten. \u00c4lteres Ger\u00e4t, das sich aber in der Vergangenheit bew\u00e4hrt hat und von der Kampfkraft wohl mehr wert ist als ein Marder, aber weniger als ein Leopard. Kurz darauf zogen Joe Biden und Olaf Scholz nach. Die Amerikaner wollen 50 Bradleys liefern, die Deutschen 40 Marder, wobei noch unklar ist, in welcher Ausf\u00fchrung (mit oder ohne Panzerwaffe) und aus welchen Best\u00e4nden, aus der Bundeswehr oder der Industrie. (Peter Carstens: \u201eEisenschweine\u201c f\u00fcr Kiew. Deutschland liefert der Ukraine in Absprache mit Amerika Marder-Panzer. Nicht allen in Berlin geht das weit genug. In: FAZ, 07.01.23, S.2)<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Schritt stellt eine Kehrtwende dar, denn bisher hatte man der Ukraine die Lieferung von Sch\u00fctzenpanzern verwehrt. Das franz\u00f6sische Vorpreschen, das mit dem deutschen Partner offensichtlich nicht abgestimmt war, l\u00e4sst Frankreich als quasi entschiedene F\u00fchrungsmacht erscheinen. Dabei hatte sich Frankreich doch in den letzten Wochen in Sachen Waffenlieferungen \u2013 \u00e4hnlich wie Deutschland, das noch dabei ist, seine Hausaufgaben in Sachen Puma zu erledigen \u2013 sehr zur\u00fcckgehalten. Macron war k\u00fcrzlich noch aus der Reihe getanzt, als er weiterhin Verhandlungen mit Putin anmahnte und auf wie auch immer berechtigte \u201eSicherheitsinteressen\u201c Russlands verwies. Dieses Bild sollte nun wohl durch einen entschiedeneren Schritt nach vorne korrigiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen ist (zu) viel Zeit verflossen und es war wohl erst der Besuch Selenskyjs in Washington, der dazu gef\u00fchrt hat, dass die USA die Lieferung von \u201ePatriots\u201c und nun auch \u2013 nach einem Telefonat mit Olaf Scholz \u2013 die Lieferung der besagten Bradleys zugesagt und in die deutsche Z\u00f6gerlichkeit etwas mehr Bewegung gebracht haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00f6chste Zeit, denn angesichts der kompromisslosen Haltung Putins und der enormen Anstrengungen der russischen Seite, die Ukraine unter hohen Verlusten im Donbass zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und f\u00fcr Ende Februar\/Anfang M\u00e4rz eine eigene Offensive zu starten, braucht die Ukraine Kampfpanzer, um sich erfolgreich verteidigen zu k\u00f6nnen. Und umgekehrt will die Ukraine selbst eine Offensive starten, dann wird eine solche Operation ohne eine erhebliche St\u00fcckzahl westlicher Kampfpanzer (ob das nun deutsche Leoparden, franz\u00f6sische Leclercs oder amerikanische Abrams sind) weder an der Ost- noch an der S\u00fcdfront erfolgreich durchzuf\u00fchren sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ukrainische Armeechef Waleryji Saluschnyj hat schon vor Monaten die Rechnung aufgemacht, dass die Ukraine 1.500 Waffensysteme (300 Kampfpanzer, 700 Sch\u00fctzenpanzer und 500 Artilleriesysteme) ben\u00f6tigt, um den Donbass zu befreien und um eine russische Fr\u00fchjahrsoffensive abzuwehren. Auch deutsche Milit\u00e4rexperten haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die ukrainischen Best\u00e4nde an sowjetischen Kampfpanzern (T 62, T 72) dahingeschmolzen sind, da sie bei der Abwehr russischer Angriffe um Kiew sowie im Osten und im S\u00fcden des Landes, schlie\u00dflich bei den ukrainischen Gegenoffensiven in gro\u00dfer Zahl zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die von Saluschnyj genannte Zahl erbetener Waffensysteme \u00fcberh\u00f6ht sein mag, so wird doch deutlich, mit welcher Diskrepanz wir es hier zu tun haben. Sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht, denn \u2013 und da sind sich s\u00e4mtliche Milit\u00e4rexperten einig \u2013 ohne Kampfpanzer ergibt die jetzt angek\u00fcndigte Lieferung von deutschen, franz\u00f6sischen und amerikanischen Sch\u00fctzenpanzern nur wenig Sinn. Oder mit den Worten des \u00f6sterreichischen Milit\u00e4rexperten, Oberst Markus Reisner: \u201eSch\u00fctzenpanzer ohne Kampfpanzer, das ist wie N\u00e4gel ohne Hammer\u201c. (Marco Seliger: Von wegen Panzerwende. Ohne Kampfpanzer ergibt die Lieferung von Marder und Bradley keinen Sinn. In: nzz, online, 06.01.23)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insofern braucht es nicht zu wundern, dass nicht nur namhafte deutsche und ausl\u00e4ndische Milit\u00e4rexperten darauf dr\u00e4ngen, die Ukraine so bald wie m\u00f6glich mit deutschen Panzern vom Typ Leopard 2 auszur\u00fcsten, die es europaweit noch in hoher St\u00fcckzahl gibt, sondern auch namhafte deutsche Politiker\/innen aus der Opposition und der Ampelkoalition darauf dr\u00e4ngen, endlich N\u00e4gel mit K\u00f6pfen zu machen und in Absprache mit den USA und den europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten sowohl die Schulungen ukrainischer Soldaten an westlichen Waffensystemen als auch die Auslieferung der von der Ukraine dringend ben\u00f6tigten Kampfpanzer zu beschleunigen. Zuletzt waren dies wie \u00fcblich Roderich Kiesewetter, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Anton Hofreiter und Robin Wagener, der gegen\u00fcber der nzz ausf\u00fchrte: \u201eZur Wahrheit geh\u00f6rt auch, dass wir den Marder schon seit dem Fr\u00fchjahr h\u00e4tten liefern m\u00fcssen. Unsere Zur\u00fcckhaltung hatte leider keinerlei deeskalierenden Effekt auf den Kreml.\u201c (Rewert Hoffer: Berlin schwenkt um. Nach Frankreichs Ank\u00fcndigung liefert auch Deutschland Sch\u00fctzenpanzer an die Ukraine. In: nzz, online, 05.01.23)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in einem im \u201eWall Street Journal\u201c vom 06.01.23 abgedruckten Interview nachzulesen ist, bef\u00fcrwortet auch der polnische Ministerpr\u00e4sident Mateusz Morawiecki die Lieferung der in polnischen Best\u00e4nden noch verbliebenen 241 Leopard 2-Panzer an die Ukraine. Dies soll nicht im Alleingang geschehen, sondern in Absprache mit den europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten und unter der Voraussetzung, dass Deutschland zustimmt. (Bartosz T. Wieli\u0144ski: Polska my\u015bli o wys\u0142aniu Ukrainie leopard\u00f3w. NATO przeka\u017ce Ukrainie bojowe wozy piechoty. In: Gazeta Wyborcza, online, 06.01.23)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass nun auch Polen \u00f6ffentlichkeitswirksam von sich aus den Druck erh\u00f6ht, scheint nicht daf\u00fcr zu sprechen, dass es in Sachen Leopard 2 weiterf\u00fchrende Gespr\u00e4che mit Berlin gegeben hat. Ein koordiniertes europ\u00e4isches Abstimmen und Vorgehen in Sachen milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung der Ukraine, das so dringend geboten w\u00e4re, sieht anders aus. So wird man sich wohl bis zum n\u00e4chsten Ramstein-Gipfel am 20. Januar 2023 gedulden m\u00fcssen, bei dem vielleicht entschieden wird, ob die Ukraine tats\u00e4chlich damit rechnen kann, diejenigen westlichen Waffensysteme zu erhalten, die sie so dringend f\u00fcr ihr \u00dcberleben ben\u00f6tigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Zbigniew Wilkiewicz \u00dcberraschend ist diesmal der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron vorgeprescht und hat der Ukraine am Mittwoch letzter Woche (wohl nach Verhandlungen seines Verteidigungsministers S\u00e9bastien Lecornu in Kiew) die Lieferung von Sch\u00fctzenpanzern des Typs AMX-10 RC angeboten. \u00c4lteres Ger\u00e4t, das sich aber in der Vergangenheit bew\u00e4hrt hat und von der Kampfkraft wohl mehr wert ist &#8230; <a title=\"Nach dem Marder den Leo?\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2023\/01\/10\/nach-dem-marder-den-leo\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Nach dem Marder den Leo?\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[7,38],"tags":[],"class_list":["post-4199","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europapolitik","category-politik-und-gesellschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4199"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4201,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4199\/revisions\/4201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}