{"id":4294,"date":"2023-04-01T11:55:16","date_gmt":"2023-04-01T09:55:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesw.de\/?p=4294"},"modified":"2023-12-30T17:48:14","modified_gmt":"2023-12-30T15:48:14","slug":"russland-in-der-sackgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2023\/04\/01\/russland-in-der-sackgasse\/","title":{"rendered":"Russland in der Sackgasse"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dr. Zbigniew Wilkiewicz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>T\u00e4glich sterben Hunderte Soldaten an der Ostfront in der Ukraine, Ukrainer wie Russen, in einem gesch\u00e4tzten Verh\u00e4ltnis von 1:5. Trotz der exorbitanten russischen Verluste setzt die russische Armeef\u00fchrung ihre althergebrachte Art der Kriegf\u00fchrung fort. Menschenleben z\u00e4hlen nicht, die russischen Freiwilligen, ob nun die von Prigoschin gedungenen S\u00f6ldner oder Kriminellen oder die Angeh\u00f6rigen regul\u00e4rer Armeeeinheiten sterben massenhaft und werden r\u00fccksichtslos in den Tod geschickt. Trotzdem ist es weder der Wagner-Gruppe noch den regul\u00e4ren russischen Truppen gelungen, die ukrainischen Linien zu durchbrechen und das seit Monaten blutig umk\u00e4mpfte Bachmut einzunehmen. Auf der anderen Seite m\u00f6gen die Ukrainer nicht weichen, denn sie k\u00f6nnen weder ihr Land noch sich selbst aufgeben, lieber sterben sie im Kampf an der Front.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Inzwischen j\u00e4hrt sich auch das Massaker von Butscha, damals das erste, besonders d\u00fcstere Fanal f\u00fcr den bestialischen Vernichtungskrieg Russlands gegen eine sich tapfer verteidigende Ukraine und ihre Zivilbev\u00f6lkerung. Ihm folgten weitere in Irpin, Kramatorsk und Mariupol.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hat man auch in Europa begriffen, dass es mit diesem Russland und mit dieser Kreml-F\u00fchrung absehbar keine sinnvollen \u201eFriedensgespr\u00e4che\u201c geben kann. Trotz seines Versagens, kein einziges seiner strategischen Ziele in der Ukraine und gegen\u00fcber dem \u201ekollektiven Westen\u201c wurde erreicht, h\u00e4lt der Kriegstreiber und Kriegsverbrecher Putin an seinen Kriegszielen fest. Nachdem es der russischen F\u00fchrung misslang, Europa und die Ukraine durch die Sperrung der Gaslieferungen und die massive Vernichtung kritischer Infrastruktur in die Knie zu zwingen und sich auch Deutschland nach langem Hin und Her endlich entschieden hat, die Ukraine mit den dringend ben\u00f6tigten Kampfpanzern zu beliefern, steht Putin endg\u00fcltig vor einem Scherbenhaufen. Da nutzt auch der zu Propagandazwecken weidlich ausgeschlachtete Besuch Xis in Moskau nicht allzu viel, denn Russland hat sich mit seiner endg\u00fcltigen Abkehr vom Westen und seiner Kriegserkl\u00e4rung an die NATO-Staaten nun selbst und auf lange Zeit zum Kellner und zur Tankstelle Chinas degradiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig vom Ausgang dieses Krieges hat Putin Russland in eine schier ausweglose Lage gebracht. Dies ergibt sich nicht nur aus den westlichen Sanktionen, die ihre toxische Wirkung f\u00fcr die russische Wirtschaft mehr und mehr entfalten, sondern auch aus der weltweilten \u00c4chtung einer Gro\u00dfmacht, die f\u00fcr die Flucht, Vertreibung und Deportation von mehreren Millionen ukrainischer Kinder, Frauen und M\u00e4nner, f\u00fcr die Zerst\u00f6rung ganzer St\u00e4dte und die Kontaminierung ganzer Landstriche verantwortlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser sinnlose und durch nichts zu rechtfertigende Krieg hat \u00fcberdies daf\u00fcr gesorgt, dass der Westen Europas, also in erster Linie die EU und Gro\u00dfbritannien in den kommenden Jahren erhebliche Mittel in die Hand werden nehmen m\u00fcssen, um sich gegen den aggressiven und unberechenbaren Imperialismus Russlands zu wappnen. Das wird besonders in solchen L\u00e4ndern wie Deutschland, die \u00fcber Jahrzehnte an der Chim\u00e4re einer zuverl\u00e4ssigen deutsch-russischen \u201eModernisierungspartnerschaft\u201c festgehalten haben, nicht nur zu einem harten Umsteuern in der Energie-, Wirtschafts- und Au\u00dfenpolitik f\u00fchren m\u00fcssen, sondern ebenso zu einem Umdenken in der deutschen Gesellschaft, die darauf vorbereitet werden muss, die Bundesrepublik gegebenenfalls auch milit\u00e4risch verteidigen zu m\u00fcssen. (Reinhard Bingener, Markus Wehner: Die Moskau Connection. Das Schr\u00f6der-Netzwerk und Deutschlands Weg in die Anh\u00e4ngigkeit. M\u00fcnchen 2023).<\/p>\n\n\n\n<p>Die direkten westlichen Nachbarstaaten Russlands, ob nun Skandinavier, Balten oder Polen sowie andere mittelosteurop\u00e4ische NATO-Verb\u00fcndete haben dies aufgrund einer permanent anhaltenden Bedrohungslage, die in Westeuropa, besonders aber in der BRD, systematisch kleingeredet wurde, eher verstanden und schon vor einigen Jahren entsprechende Schl\u00fcsse gezogen. Bislang neutrale Staaten wie Finnland und Schweden ziehen nun die notwendigen Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Unterschied zu Russland, das in der Sackgasse steckt und seinen Untertanen nicht einmal die vage Versprechung einer \u201elichten Zukunft\u201c zu bieten hat, nimmt sich die Situation im Westen und in der mit ihm verb\u00fcndeten leiderprobten Ukraine nicht ganz so d\u00fcster aus. Denn immerhin gibt es hier das Versprechen der USA und der EU, das Land so lange zu unterst\u00fctzen, wie es n\u00f6tig ist. Und es gibt die Perspektive eines Wiederaufbaus sowie eines EU-Beitritts und zuk\u00fcnftig effektiveren Schutzes durch Sicherheitsgarantien gegen den aggressiven russischen Imperialismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies bedeutet, dass man nach den Erfahrungen mit dem von Putin aufgebauten \u201ebedrohlichsten Regime der Welt\u201c, der Ukraine einen Beitritt zur NATO nicht mehr wird verweigern k\u00f6nnen. (Michael Thumann: Revanche. Wie Putin das bedrohlichste Regime der Welt geschaffen hat. M\u00fcnchen 2023). Ohne ein Friedensabkommen, das die milit\u00e4rische Niederlage Russlands zur Voraussetzung hat, wird dies allerdings nicht m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Westen ist deshalb gut beraten, die Ukraine bei der bevorstehenden Fr\u00fchjahrsoffensive mit all jenen, seit Monaten geforderten Waffensystemen quantitativ und qualitativ zu unterst\u00fctzen, die sie dazu bef\u00e4higen, die russischen Okkupanten aus allen v\u00f6lkerrechtswidrig besetzten ukrainischen Gebieten hinauszudr\u00e4ngen. Hier sollte es gerade angesichts der aktuell erneut vorgebrachten nuklearen Drohgeb\u00e4rden Russlands keine \u201eroten Linien\u201c geben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Putins Russland aber bleibt, um langfristig aus der ausweglosen Sackgasse hinauszugelangen, in die es sich selbst und ohne Not hineinman\u00f6vriert hat, nur der milit\u00e4rische R\u00fcckzug und die Aufgabe besetzten Gebiets.<\/p>\n\n\n\n<p>Die diesj\u00e4hrigen friedensbewegten Osterm\u00e4rsche, zu denen \u201eDie Linke\u201c, Teile der SPD und Gewerkschaften aufgerufen haben, w\u00e4ren, um nur ansatzweise glaubw\u00fcrdig zu bleiben, gut beraten neben dem nur allzu verst\u00e4ndlichen Wunsch nach einem Frieden ohne Waffen die daf\u00fcr notwendigen Voraussetzungen mit zu benennen: der kriegsverbrecherische Aggressor sollte beim Namen genannt und aufgefordert werden, seine Milit\u00e4rhandlungen einzustellen und sich auf sein Staatsgebiet zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Zbigniew Wilkiewicz T\u00e4glich sterben Hunderte Soldaten an der Ostfront in der Ukraine, Ukrainer wie Russen, in einem gesch\u00e4tzten Verh\u00e4ltnis von 1:5. 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