{"id":4614,"date":"2024-03-11T19:29:41","date_gmt":"2024-03-11T17:29:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesw.de\/?p=4614"},"modified":"2024-03-11T19:30:02","modified_gmt":"2024-03-11T17:30:02","slug":"wie-funktioniert-abschreckung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2024\/03\/11\/wie-funktioniert-abschreckung\/","title":{"rendered":"Wie funktioniert Abschreckung?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dr. Zbigniew Wilkiewicz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rados\u0142aw Sikorski hat es k\u00fcrzlich auf den Punkt gebracht: Nicht der Westen sollte sich vor Putin f\u00fcrchten, sondern Putin vor dem Westen! Damit hat der polnische Au\u00dfenminister sehr lakonisch, aber recht anschaulich zum Ausdruck gebracht, worauf eine effektive Abschreckung Russlands seitens des westlichen B\u00fcndnisses basieren sollte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was erleben wir hingegen seit Beginn des von Russland vom Zaun gebrochenen Krieges gegen die Ukraine und den \u201ekollektiven Westen\u201c? Einerseits die nach langem Abwarten und Z\u00f6gern allm\u00e4hlich immer lauter werdenden Bekundungen der EU- und NATO-F\u00fchrung, dass man die Ukraine bis zu ihrer Nicht- Niederlage und ihrem Nicht- Sieg entschlossen unterst\u00fctzen und verteidigen werde, andererseits die gut nachvollziehbare Versicherung an die eigenen westlichen Gesellschaften und an Russland, dass die NATO auf jeden Fall vermeiden werde, in einen direkten Konflikt mit Russland zu geraten. Dementsprechend sind ukrainische Angriffe auf russisches Territorium ein Tabu und die Lieferung westlicher Marschflugk\u00f6rper mit gr\u00f6\u00dferer Reichweite wird an die Bedingung gekn\u00fcpft, dass sie keinesfalls russisches Territorium erreichen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Putin, Medwedjew und Konsorten seit fast zwei Jahren die gesamte Ukraine unverhohlen mit allen m\u00f6glichen schweren Waffen beschie\u00dfen und ganze Ortschaften in Schutt und Asche legen lassen, ist man sich im Westen darin einig, dass die Ukraine sich nur auf ihrem eigenen Territorium verteidigen d\u00fcrfe, um den Aggressor nicht zu \u201eprovozieren\u201c und ihm einen Vorwand zu weiterer Eskalation zu liefern. Ausgeschlossen wurde von Beginn an auch der Einsatz von NATO-Truppen in der Ukraine. Zu gro\u00df war und ist im \u201ekollektiven Westen\u201c die Angst vor einer weiteren Ausweitung des Kriegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei spielen die seit Kriegsausbruch immer wieder von russischer Seite ausgesto\u00dfenen Drohungen mit dem Einsatz taktischer und strategischer Atomwaffen und das Aufzeigen \u201eroter Linien\u201c in der psychologischen Kriegsf\u00fchrung des russischen Aggressors eine erhebliche Rolle. Damit hat Putin in der EU zweifelsohne einen Nerv getroffen und f\u00fcr Ver\u00e4ngstigung gesorgt. Selbst bleibt der Kreml unberechenbar, der Westen hingegen \u2013 von Washington \u00fcber Paris, London und Berlin &#8211; legt sich fr\u00fchzeitig in offener Diskussion fest, was die Ukraine und man selbst milit\u00e4risch darf oder nicht darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenw\u00e4rtig ist die offene Diskussion allerdings in offenen Streit umgeschlagen. Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron, der aufgrund seiner lange anhaltenden und praktizierten Gespr\u00e4chsbereitschaft mit Putin vor noch nicht allzu langer Zeit des \u00fcberfl\u00fcssigen Macronierens (Geredes) bezichtigt wurde, gab angesichts der f\u00fcr die Ukraine schwierigen milit\u00e4rischen Situation zu bedenken, dass man zuk\u00fcnftig den Einsatz von NATO-Einheiten in der Ukraine nicht grunds\u00e4tzlich ausschlie\u00dfen sollte. Seine westlichen Partner, allen voran der ansonsten weniger mitteilsame und diskussionsbereite Bundeskanzler Scholz widersprachen ihm prompt und entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der weiter anhaltenden, Deutschland spaltenden Taurus-Debatte inklusive des fahrl\u00e4ssigen Umgangs mit \u00e4u\u00dferst sensiblen Daten und Gespr\u00e4chsinhalten hoher deutscher Milit\u00e4rs, die von russischer Seite abgeh\u00f6rt und entsprechend gefaket ver\u00f6ffentlicht wurden, hat Putin zweifelsohne einen Punktsieg errungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wollte Macron durch seinen in den Hauptst\u00e4dten des Westens so vehement abgelehnten Vorschlag dazu beitragen, den Westen mit mehr Ambiguit\u00e4t auszustatten und f\u00fcr Putin etwas unberechenbarer zu machen, so sorgte Scholz mit seinem nun endlich ausgesprochenen, aber argumentativ wenig \u00fcberzeugenden Machtwort, dem Nein zur Lieferung von Taurus an die Ukraine, vorerst f\u00fcr \u201eKlarheit\u201c. Denn damit hat er den Westen f\u00fcr Putin wieder lesbarer und berechenbarer gemacht, er hat sich dem Druck Putins gebeugt. (Anton Hofreiter, Norbert R\u00f6ttgen: Der katastrophale Def\u00e4tismus des Kanzlers. In: FAZ, 11. 03. 2024, S.8)<\/p>\n\n\n\n<p>Dass man f\u00fcr die Initiative Macrons in Ostmitteleuropa, in Rum\u00e4nien und in den baltischen Staaten weitaus mehr Verst\u00e4ndnis aufgebracht hat, steht auf einem anderen Blatt. Offenbar wei\u00df man in diesen lange von Russland und der Sowjetunion dominierten und bedrohten Regionen, wie effektive Abschreckung gegen\u00fcber einem kompromisslosen kriegsl\u00fcsternen Feind aussehen sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Zbigniew Wilkiewicz Rados\u0142aw Sikorski hat es k\u00fcrzlich auf den Punkt gebracht: Nicht der Westen sollte sich vor Putin f\u00fcrchten, sondern Putin vor dem Westen! 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