{"id":4624,"date":"2024-04-01T11:52:06","date_gmt":"2024-04-01T09:52:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesw.de\/?p=4624"},"modified":"2024-04-01T11:52:07","modified_gmt":"2024-04-01T09:52:07","slug":"wenn-europa-sich-nicht-aendert-wird-es-zur-kolonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2024\/04\/01\/wenn-europa-sich-nicht-aendert-wird-es-zur-kolonie\/","title":{"rendered":"Wenn Europa sich nicht \u00e4ndert, wird es zur Kolonie"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dr. Zbigniew Wilkiewicz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Der namhafte slowenische Soziologe, Philosoph, Marxist, Psychoanalytiker und Kulturkritiker Slavoj\u017di\u017eek, der in Ljubljana und an amerikanischen Universit\u00e4ten lehrt, hat vor zwei Jahren in der Gazeta Wyborcza ein Interview gegeben, in dem er kurz nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine hervorhob, dass es bei diesem Krieg nicht \u201enur\u201c um die Ukraine gehe, sondern dass Staaten wie Russland und China eine \u00c4nderung der Weltordnung anstreben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Er f\u00fcgte damals hinzu, dass er als radikaler Linker mit aller Kraft die Einheit des Westens und die Einheit Europas unterst\u00fctze, denn nur Europa sei in der Lage \u201euns zu retten\u201c. Das vereinigte Europa verteidige heute die B\u00fcrgerrechte, die Rechte von Frauen und Minderheiten, eine Bildung f\u00fcr alle und die Chancengleichheit. \u00dcberdiese widersetze es sich den zunehmenden Nationalismen.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> In dem am 30.03.2024 in der Gazeta Wyborcza ver\u00f6ffentlichten Interview mit Maciej Stasi\u0144ski (MS), das ich unten in deutscher \u00dcbersetzung wiedergebe, bezieht \u017di\u017eek (S\u017d) nun gut zwei Jahre nach Kriegsbeginn noch einmal Stellung und f\u00fchrt aus, welche Gefahr dem demokratisch und rechtsstaatlich verfassten Europa droht, wenn es sich nicht entschieden zur Wehr setzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der k\u00fcrzlich von zahlreichen Nobelpreistr\u00e4gern\/innen aus aller Welt unterzeichnete Appell f\u00fcr eine entschiedenere Unterst\u00fctzung der Ukraine zielt in die gleiche Richtung. Gefordert wird darin u.a. eine &#8222;drastische Erh\u00f6hung&#8220; der Ukraine-Hilfen, denn die Ukraine m\u00fcsse &#8222;gewinnen, nicht nur &#8217;nicht verlieren'&#8220;. Eine rechtzeitige Hilfe werde den Verlust von Menschenleben verringern und dazu beitragen, den Aggressor von ukrainischem Boden zu vertreiben. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-03\/ukraine-krieg-nobelpreistraeger-offener-brief-elfriede-jelinek-herta-mueller\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-03\/ukraine-krieg-nobelpreistraeger-offener-brief-elfriede-jelinek-herta-mueller<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das von \u017di\u017eek kritisierte Pazifismus-Verst\u00e4ndnis der Linken schlie\u00dft an die aktuell in Deutschland gef\u00fchrte Kontroverse an, die mit der von der SPD ins Spiel gebrachten Diskussion \u00fcber das \u201eEinfrieren\u201c des Kriegs in der Ukraine einhergeht. Die herbe Kritik an der widerspr\u00fcchlichen und unentschlossenen Haltung des Bundeskanzlers und dem Def\u00e4tismus Rolf M\u00fctzenichs kommt dabei nicht nur von politischen Kommentatoren aus dem In- und Ausland, sondern wurde k\u00fcrzlich von namhaften, der SPD angeh\u00f6renden Historikern in einem offenen Brief formuliert, in dem in aller Klarheit ein Kurswechsel eingefordert wird. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2024-03\/spd-historiker-offener-brief-heinrich-august-winkler\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2024-03\/spd-historiker-offener-brief-heinrich-august-winkler<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einer ihrer prominenten Verfasser, der angesehene Historiker und Intellektuelle Heinrich-August Winkler, hat seiner Partei im Hinblick auf die verfehlte zweite Phase ihrer Ostpolitik gegen\u00fcber Russland und Ostmitteleuropa bereits mehrfach den Spiegel vorgehalten und gefordert, sich von liebgewonnenen Mythenbildungen loszusagen und die deutsche Russlandpolitik mittel einer Enquetekommission des Bundestags aufzuarbeiten. (Heinrich-August Winkler: Der Tabubruch von Tutzing. In: FAZ, 20.07.2023, S.6; ders.: Ich hoffe, dass Deutschland auch aus einer schweren Krise nicht wieder als Diktatur hervorgeht. In: Der Spiegel, 04.11.2023, S.48-51)<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> MS: <strong>Der Krieg Russlands gegen die Ukraine dauert schon \u00fcber zwei Jahre. Im Westen w\u00e4chst die Erm\u00fcdung, die Ungeduld und sogar der Unwille, die Ukraine zu unterst\u00fctzen\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> S\u017d<strong>:<\/strong> Nach zwei Jahren bin ich noch mehr davon \u00fcberzeugt, dass ich recht hatte. Alle waren damals sicher, dass Russland in K\u00fcrze siegen w\u00fcrde. Und dann? Trotz der Schwierigkeiten und der russischen \u00dcbermacht geschah das Wunder. Und die Ukraine wehrt sich weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Grauen erf\u00fcllt mich allerdings die alberne pazifistische Propaganda, die u.a. von der europ\u00e4ischen Linken kommt. Ich kann den Unsinn nicht mehr h\u00f6ren, dass die NATO und ihre angebliche Expansion Russland zu einer Antwort gezwungen haben. Jetzt wird noch mehr als damals deutlich, dass die im Osten an Russland angrenzenden L\u00e4nder wie Finnland und Schweden von sich aus in die NATO dr\u00e4ngen, weil sie sich vor Russland f\u00fcrchten. Die \u00dcberzeugung, dass man sich dem Westen, den USA und der NATO entgegenstellen muss, weil nur sie das B\u00f6se seien, und dass egal wer und in wessen Namen gegen dieses B\u00f6se ank\u00e4mpft, selbst wenn es Putin ist, im Recht sei \u2013 ist ersch\u00fctternd dumm. Diese Linke ist ein Schock f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Derweil sagt Putin, dass die Ukraine eine Erfindung Lenins und dass der Majdan ein neonazistischer Putsch gewesen sei. Er sagt, dass die Ukraine als Volk und Staat kein Existenzrecht habe. Das ist der klassische gro\u00dfrussische Imperialismus aus dem XVIII. und XIX. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wen aber unterst\u00fctzt Putin im Westen? Die extrem rechte deutsche AfD, Le Pen, Salvini. Und das gen\u00fcgt der Linken noch immer nicht? Sie meint weiterhin, dass man die Ukraine nicht weiter unterst\u00fctzen darf, dass man sie dazu \u00fcberreden sollte sich zu ergeben, um Putin nicht zu provozieren. Statt konsequent und bis zum Ende der Ukraine beizustehen. Das ist der komplette Bankrott des linken Pazifismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage demnach, was hei\u00dft Pazifismus? Hat der Pazifismus immer Recht? Russland will sicher auch Frieden, um die eroberte Ukraine in aller Ruhe zu unterjochen. Und die Deutschen in Polen nach 1939? Nach ihrem Sieg wollten sie auch nur Frieden, um Polen in aller Ruhe ausbeuten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Die Unterst\u00fctzung der Ukraine h\u00e4ngt allerdings nicht nur vom linken Pazifismus ab?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> S\u017d: Richtig. Die westliche Unterst\u00fctzung ger\u00e4t an ihre Grenzen. Sicherlich, wir sollten die Ukraine unterst\u00fctzen, aber nicht zu sehr. Wir sollten ihnen Raketen liefern, aber nicht zu viele und keine, die das Territorium Russlands erreichen k\u00f6nnen. Man darf Putin nicht provozieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wir im Westen leben weiterhin sehr komfortabel und m\u00f6chten diesen Wohlstand nicht einb\u00fc\u00dfen. Deshalb sollte man auf die Propaganda Putins h\u00f6ren. Er sagt, dass Russland sein Imperium wieder aufbauen muss, dass Russland der Schutzschild der christlichen Zivilisation gegen den Relativismus und die Dekadenz des Westens sei. Das h\u00f6rt sich wie religi\u00f6ser islamischer Fundamentalismus an!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Westen sollte das Gegenteil tun: die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine steigern. Auf einem Seminar in London habe ich gesagt, dass man der Ukraine Atomwaffen geben sollte. Damit wollte ich absichtlich eine Diskussion provozieren, denn die Leute wissen nicht mehr, dass die Ukraine nach 1991 ihre Atomwaffen im Tausch f\u00fcr die Garantie ihrer Unabh\u00e4ngigkeit und ihrer Grenzen abgegeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Ist es nicht so, dass die klassische sozialdemokratische Linke ihr \u201egro\u00dfes Thema\u201c, den Sozialismus, eingeb\u00fc\u00dft hat, der ihre Existenzgrundlage darstellte und heute einem kollektiven &#8222;Aufr\u00fchrer ohne Ursache&#8220; gleicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: Das sehe ich auch so. Sie hat ihre Existenzberechtigung verloren oder ist dabei sie zu verlieren. In Polen hat zum Beispiel die PiS Sozialreformen umgesetzt, die die Linke oder andere nicht in der Lage waren durchzuf\u00fchren. Nicht wahr?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Linken fehlt der Kompass, die Vision, welches Ufer sie anstrebt. So fl\u00fcchtet sie sich in die alberne Moral von &#8222;cancel&#8220; und &#8222;woke&#8220;. Angeblich verteidigt sie Identit\u00e4t, Toleranz und Diversit\u00e4t im Namen der sog. &#8222;Inklusion&#8220;, agiert aber genau umgekehrt: sie schlie\u00dft aus, diskriminiert und toleriert niemanden, der nicht ihrer Meinung ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Wir sprechen andauernd \u00fcber die Linke, aber auf die Bedrohungen, den Krieg und das Chaos kann es verschiedenen Antworten geben. Wie soll man sich da zurechtfinden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> S\u017d: Die derzeitige Ordnung und das Wertesystem zerfallen. Wir geraten wohl in eine neue Phase des Kapitalismus. Yannis Varoufakis, griechischer Wirtschaftswissenschaftler und Politiker, bezeichnet sie als Technofeudalismus. Da ist wohl was dran.<\/p>\n\n\n\n<p>Megakonzerne wie Amazon und Google sind m\u00e4chtiger als jemals zuvor, zuweilen m\u00e4chtiger als Staaten, mit denen sie manchmal verschmelzen. Sie gr\u00fcnden kleinere Unternehmen und kontrollieren die Gesellschaften immer mehr. Dadurch haben wie immer weniger Freiheit, ohne zu bemerken, dass wir beginnen sie ganz zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcrzlich sagte mir ein chinesischer Philosoph, dass der einstige Polizeistaat im Vergleich zur Gegenwart ein Nichts gewesen sei. Die Polizei hat dich verfolgt und abgeh\u00f6rt, aber du wusstest es. Heute werde ich andauernd registriert, gefilmt und von Algorithmen kontrolliert, ohne davon zu wissen. Wir leben immer mehr in \u201eNicht-Freiheit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Die Gesellschaften wissen auch nicht, woran sie sich halten sollen, es herrscht Angst und Unsicherheit. Ganz zu schweigen von der weitverbreiteten Relativierung von Wahrheit und Falschheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: K\u00fcrzlich nahm ich an einer Diskussion teil, an der auch zwei schwarze Frauen aus S\u00fcdafrika beteiligt waren. Die eine klagte \u00fcber Chaos, Unordnung, fehlende Sicherheit, Kriminalit\u00e4t und sagte: &#8222;Manchmal sehnen wir uns nach der Apartheit zur\u00fcck&#8220;. Ich darauf: &#8222;Wie bitte!&#8220; Und sie: &#8222;Man lebte irgendwie sicherer&#8220;. Wenn ich solche Aussagen h\u00f6re, komme ich zum Ergebnis, dass wir etwas falsch machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Ein Symbol der heutigen Welt sind auch solche Staaten wie Haiti oder Salvador, wo Verbrecherbanden das Land und den Staat \u00fcbernehmen und dadurch die Sehnsucht nach einem diktatorischen Regime provozieren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: Die Hamas ist eine \u00e4hnliche Struktur und regiert nicht nur in Gaza, sondern auch in der Westbank. In Russland bildeten die Wagner-Leute von Prigoschin mit Genehmigung des Kremls so eine Privatgang. In den USA gibt es Gruppen wie die Proud Boys, die das Kapitol st\u00fcrmten und mit denen Donald Trump offen flirtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Menschen in vielen L\u00e4ndern wollen keine Kinder, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Sie f\u00fcrchten sich vor der Zukunft, vor Kriegen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: Wir leben in Zeiten eines sehr gef\u00e4hrlichen Durcheinanders. Vielleicht ist es an der Zeit, nicht mehr nach Volksaufst\u00e4nden und Erhebungen zu schielen und stattdessen das wahrzunehmen, was die schweigende Mehrheit spricht, was sie sich w\u00fcnscht, und sich auf moralischen Anstand zu berufen. \u00c4hnliches sagt Bernie Sanders in den USA. Wir sollten die einfachen, entt\u00e4uschten Menschen und ihre Bed\u00fcrfnisse respektieren, denn andernfalls stimmen sie f\u00fcr Trump.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher muss die Linke ihre eigenen Grunds\u00e4tze revidieren, allerdings m\u00fcssen wir alle im Westen unsere Lebensweise \u00fcberdenken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Na eben: ist dieser Krieg f\u00fcr den Westen nicht eine gr\u00f6\u00dfere Herausforderung als nur der kriegerische \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: Das ist sicherlich so. Der Westen sollte sich auf eine Periode des Ausnahmezustands vorbereiten. Unsere Staaten m\u00fcssen sich ver\u00e4ndern und zu Staaten des Ausnahmezustands werden. Sie m\u00fcssen sich anders organisieren, ansonsten erwartet uns eine Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen wir uns einmal an, was die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, S\u00fcdafrika) sind, denen sich nun Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate anschlie\u00dfen. Sie bilden ein neues Weltmodell. In diesen L\u00e4ndern wird verk\u00fcndet, dass wir im globalen Kapitalismus und in einer multipolaren Welt kooperieren m\u00fcssen, dass aber jeder bei sich das tun kann, was er m\u00f6chte, Minderheiten verfolgen und die Demokratie abschaffen. Russland tritt zus\u00e4tzlich als Besch\u00fctzer und Verb\u00fcndeter Lateinamerikas und Afrikas, der sog. unterentwickelten L\u00e4nder auf. Die Linke klatscht Beifall und schl\u00e4gt sich im Namen vermeintlicher Dekolonisierung an die Brust.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen wir genauer hin: in Uganda hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Homosexuelle mit dem Tode oder mit Gef\u00e4ngnis bestraft, weil Homosexualit\u00e4t angeblich das Kulturerbe westlicher Eroberer und Kolonialm\u00e4chte sei, Uganda aber seine souver\u00e4ne Kultur zu verteidigen habe. In Russland sieht man das \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sieg Trumps in den USA bedeutet Horror, denn die USA werden sich dann den BRICS-Staaten anschlie\u00dfen. Ein Albtraum! Und die Linke zeigt sich begeistert von dieser multipolaren Welt. Ich bin dagegen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Ein der Verteidigung w\u00fcrdiger Westen ist demnach Europa und die liberale Demokratie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: Sicher, die demokratisch-liberale Zivilisation eines geeinten Europas. G-e-e-i-n-t, das ist sehr wichtig. Denn man sieht, dass die populistischen linken Kr\u00e4fte in Lateinamerika, Trump, China oder Russland ein geeintes Europa f\u00fcr ihren Feind halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Europa muss st\u00e4rker und geeinter werden. Die gro\u00dfen Herausforderungen, von der Klimakrise, \u00fcber die Massenmigration und den wirtschaftlichen Wettbewerb bis hin zur Geopolitik erfordern koordiniertes und geschlossenes Handeln. Man muss ein Mittel finden, um ihnen gerecht zu werden, ohne dabei der Verlockung einer autorit\u00e4ren Ordnung zu verfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Europa ist das einzige Zivilisationsmodell wahrhafter globaler Werte, das es wert ist verteidigt zu werden. Derweil f\u00e4llt Europa der Passivit\u00e4t und Lethargie anheim, wird schw\u00e4cher.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu \u00fcberstehen, muss es seine Einheit, auch seine milit\u00e4rische Verteidigung st\u00e4rken und eigen Streitkr\u00e4fte schaffen. Das kann Europa, denn es hat das Potential dazu. Und das ist eine existentielle Frage, denn andernfalls werden wir zu einer Kolonie der USA oder Chinas und Russlands. Die Ukraine muss obsiegen, sollte sie untergehen, werden wir alle gemeinsam mit ihr untergehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MS: Ist Russland nicht ein milit\u00e4rischer Riese auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen? Wird es nicht zu einem armen Vasallen Chinas?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>S\u017d: Momentan glaube ich, dass Russland gef\u00e4hrlicher ist und dass man sich gegen Russland organisieren muss. China war niemals eine so expansionistische Macht wie Russland.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings plant China langfristig. Langfristiger als wir in Europa oder im Westen. Vielleicht ist es wirklich so, dass China \u00fcberhaupt nicht einen Sieg Russlands w\u00fcnscht, sondern plant es zu schw\u00e4chen, um es sp\u00e4ter zu kolonisieren und an die gewaltigen Bodensch\u00e4tze zu gelangen, die Russland allein nicht in der Lage ist zu f\u00f6rdern. Sollte das so sein, dann w\u00e4re das gar nicht so schlecht. Denn die Chinesen sind pragmatisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuweilen denke ich allerdings, dass wir eine gro\u00dfe Katastrophe ben\u00f6tigen, um aus der Lethargie zu erwachen und das zivilisatorische Erbe Europas zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/wyborcza.pl\/7,75399,30837913,slavoj-zizek-jesli-europa-sie-nie-zmieni-to-stanie-sie-kolonia.html\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Zbigniew Wilkiewicz Der namhafte slowenische Soziologe, Philosoph, Marxist, Psychoanalytiker und Kulturkritiker Slavoj\u017di\u017eek, der in Ljubljana und an amerikanischen Universit\u00e4ten lehrt, hat vor zwei Jahren in der Gazeta Wyborcza ein Interview gegeben, in dem er kurz nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine hervorhob, dass es bei diesem Krieg nicht \u201enur\u201c um die Ukraine gehe, &#8230; <a title=\"Wenn Europa sich nicht \u00e4ndert, wird es zur Kolonie\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2024\/04\/01\/wenn-europa-sich-nicht-aendert-wird-es-zur-kolonie\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Wenn Europa sich nicht \u00e4ndert, wird es zur Kolonie\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[7,38,8],"tags":[],"class_list":["post-4624","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europapolitik","category-politik-und-gesellschaft","category-weltpolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4624"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4624\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4625,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4624\/revisions\/4625"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}