{"id":4811,"date":"2024-12-02T18:18:31","date_gmt":"2024-12-02T16:18:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesw.de\/?p=4811"},"modified":"2024-12-02T23:18:58","modified_gmt":"2024-12-02T21:18:58","slug":"autokratische-zeitenwende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2024\/12\/02\/autokratische-zeitenwende\/","title":{"rendered":"Autokratische Zeitenwende?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dr. Zbigniew Wilkiewicz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man sich die grotesk anmutenden Jubelszenen Donald Trumps und Elon Musks nach dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Wahlerfolg der Republikaner in den USA, der weder weltweit noch in den Vereinigten Staaten so erwartet wurde, so muss man n\u00fcchtern konstatieren, dass sich nun auch in den USA ein autokratisch gesinnter und handelnder F\u00fchrer durchgesetzt hat, der in Zukunft mit einer au\u00dferordentlichen Machtf\u00fclle ausgestattet sein wird. Allerdings ist der Wiederg\u00e4nger Trump von einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der Amerikaner\/innen demokratisch gew\u00e4hlt worden und verf\u00fcgt auch im Repr\u00e4sentantenhaus \u00fcber eine satte Mehrheit. Im Unterschied zu den beiden anderen starken M\u00e4nnern mit Weltmachtanspruch in Russland und China, die schon etwas l\u00e4nger selbstherrlich herrschen und sich keinen echten demokratischen Wahlen stellen mussten. Trump ist von einer Riege steinreicher erzkonservativer Unterst\u00fctzer umgeben, die sich allesamt dem MAGA-Projekt verschrieben haben und behaupten, Amerika wieder gro\u00df machen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Worin diese wiedererlangte Gr\u00f6\u00dfe der USA bestehen und mit welchen Mitteln sie erreicht werden soll oder kann, bleibt indessen unklar. Mit Recht wird von Wirtschaftsexperten hervorgehoben, dass eine auf hohen Z\u00f6llen beruhende Handelspolitik, die die eigene Industrieproduktion und die Handelsbilanz der USA sch\u00fctzen soll, sich zuk\u00fcnftig als problematisch erweisen k\u00f6nnte, da sie absehbar zu einer Steigerung der Inflation und zu den f\u00fcr die Regierenden so verh\u00e4ngnisvollen Preissteigerungen f\u00fchren kann. Wirtschaftspolitischer Nationalismus und Isolationismus k\u00f6nnten in die Sackgasse f\u00fchren. Die Tatsache, dass Trump nun Kanada und Mexiko mit h\u00f6heren Z\u00f6llen droht, um damit die Immigration aus beiden L\u00e4ndern st\u00e4rker zu unterbinden, verdeutlicht wie wenig wirtschaftliche Argumente im Spiel sind. Vielmehr handelt es sich um populistische Ank\u00fcndigungen, die aber bei seiner W\u00e4hlerschaft gut ankommen d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ank\u00fcndigung, die illegale Einwanderung durch millionenfache Ausweisungen unterbinden zu wollen, scheint eben so wenig zielf\u00fchrend zu sein. Ihre Umsetzung wird sich als schwierig und zeitraubend erweisen, es sei denn, man setzt geltendes Recht au\u00dfer Kraft und greift zu rechtsstaatlich zweifelhaften Zwangsma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftlich betrachtet ist man in den USA gerade auf die illegalen Immigranten\/innen, die einen Gro\u00dfteil der Besch\u00e4ftigten in der Landwirtschaft, im Bauwesen, in der Industrie und bei den Dienstleistungen stellen, angewiesen. Vern\u00fcnftiger und effektiver w\u00e4re es wohl ihren arbeitsrechtlichen Status zu legalisieren. Fakt bleibt allerdings auch, dass die USA -\u00e4hnlich wie die EU \u2013 daf\u00fcr sorgen wollen, die unerw\u00fcnschte Einwanderung, die zu sozialen und kulturellen Verwerfungen f\u00fchrt und von rechten Populisten gnadenlos f\u00fcr ihre politischen Zwecke benutzt wird, entschiedener zu drosseln als das bisher der Fall war.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch entspricht die Ank\u00fcndigung von noch mehr Ausgrenzung und massiven Ausweisungen nicht der Narration vom liberalen \u201eamerikanischen Traum\u201c von Gleichheit und Freiheit. Die USA konnten sich als klassisches Einwanderungsland gerade wegen des Zustroms motivierter und strebsamer Immigranten aus aller Welt &#8211; und der hieraus resultierenden Vielfalt \u2013 zu einer Weltmacht entwickeln. Dass dabei die Ureinwohner von den einstr\u00f6menden Europ\u00e4ern weitgehend ausgerottet, die einzelnen Einwanderergruppen aus Europa, Afrika und Asien im Laufe der Jahrhunderte immer wieder unterschichtet wurden, und dass es eines blutigen B\u00fcrgerkriegs bedurfte, um die Sklaverei abzushaffen, steht auf einem anderen Blatt, ist aber hinl\u00e4nglich bekannt und Gegenstand heftiger Kolonialismus-Debatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der immer wieder gen\u00e4hrte mythisch verkl\u00e4rte US-amerikanische Mythos von Gleichheit und Freiheit wird allerdings durch einen von Rassismus und Gewalt gepr\u00e4gten Alltag konterkariert und die besonders im Wahlkampf von Trump propagierte Ausgrenzung und Diskriminierung von als \u201eminderwertig\u201c titulierten Bev\u00f6lkerungsgruppen f\u00fchrt ihn ad absurdum.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichtsdestotrotz erheben die drei Gro\u00dfm\u00e4chte, von denen hier die Rede ist, den Anspruch, die besten L\u00f6sungen f\u00fcr ihre L\u00e4nder, aber auch f\u00fcr den Rest der Welt zu haben. Schw\u00e4chstes Glied in diesem Triumvirat ist das revisionistische Russland Putins. Trotz seiner wirtschaftlichen Schw\u00e4che setzte es die mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag und der Charta von Paris vereinbarte Ordnung von 1990 mit der Annexion der Krim und dem Einmarsch in der Ostukraine sp\u00e4testens 2014 au\u00dfer Kraft. In der Charta von Paris, die im November 1990 von allen Mitgliedern der Konferenz f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unterzeichnet worden war, hatte man sich bekanntlich zu den Prinzipien der Demokratie, der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t, der territorialen Integrit\u00e4t, dem Recht auf freie B\u00fcndniswahl und zur friedlichen Beilegung von Konflikten bekannt. Die westliche (europ\u00e4ische) Unterst\u00fctzung der Ukraine und Verteidigung der Weltordnung von 1990 erwies sich 2014 als unzureichend. Man setzte auf Diplomatie, handelte zweifelhafte Abkommen aus und kam dem sich immer aggressiver geb\u00e4rdenden Russland entgegen, um die eigenen Wirtschaftsinteressen zu wahren und den Frieden zu retten. Dadurch sah sich Putin im Februar 2022 ermutigt, in der Ukraine einen brutalen Krieg zu entfachen, verbunden mit dem Ziel, in Ostmitteluropa die einstige Hegemonie wiederherzustellen und die NATO zum R\u00fcckzug zu bewegen. Der nunmehr fast drei Jahre w\u00e4hrende Vernichtungskrieg Putins gegen die Ukraine und den \u201ekollektiven Westen\u201c hat allerdings das Gegenteil bewirkt: er f\u00fchrte zu einer St\u00e4rkung der NATO und zu einer erheblichen Schw\u00e4chung des milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Potentials Russlands. Putin hat seine urspr\u00fcnglichen Ziele bei Weitem nicht erreicht und bleibt milit\u00e4risch und technologisch auf die Hilfe Chinas, des Irans und Nordkoreas angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als faktischer Vasall des sich ebenfalls in einer profunden Wirtschaftskrise befindenden Reichs der Mitte, das Putin zwar unterst\u00fctzt, da es an einer Schw\u00e4chung des Westens (der USA) interessiert ist, befindet sich Putin in einer prek\u00e4ren Situation. Das MRGA-Projekt Putins, das auf brachiale Gewalt und Zersetzung der westlichen Welt setzt, droht &#8211; unabh\u00e4ngig vom Ausgang des Kriegs in der Ukraine \u2013 zu scheitern. Die mythisch beschworene und propagierte Welt des Russkij Mir hat trotz gleichgeschalteter Medien und anhaltender Gehirnw\u00e4sche selbst in Russland nur wenig \u00fcberzeugte Unterst\u00fctzer. Allerdings sind die russl\u00e4ndischen Gegner des Russkij Mir entweder au\u00dfer Landes, in Gef\u00e4ngnissen und Lagern, wo sie mundtot oder ganz tot gemacht werden. Das hat in Russland, in dem es in seiner tausendj\u00e4hrigen Geschichte kaum Ans\u00e4tze f\u00fcr eine Zivilgesellschaft gegeben hat, allerdings Tradition. Die 600.000 russl\u00e4ndischen toten und verletzten Soldaten, T\u00e4ter und Opfer der von Putin initiierten \u201eSpezialoperation\u201c in der Ukraine, werden mit Vertr\u00e4gen gek\u00f6dert, gut bezahlt und dann bedenkenlos ins Feuer geschickt. Die wenigsten d\u00fcrften aus \u00dcberzeugung k\u00e4mpfen und sterben, schon gar nicht die von Kim Jong-un geschickten nordkoreanischen Soldaten, die regelrecht verheizt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies hindert Russland aber nicht daran, seine revisionistischen Anspr\u00fcche tatkr\u00e4ftig mit milit\u00e4rischer Gewalt und einem ausgekl\u00fcgelten Cyberkrieg fortzusetzen. Damit ist es gelungen, noch vor dem \u00dcberfall auf die Ukraine (2014) und dem Beginn der \u201eSpezialoperation\u201c (2022) nicht nur die Relikte der eigenen Zivilgesellschaft zu zerst\u00f6ren, sondern auch dem Autokraten Lukaschenko in Belarus die Haut zu retten. Inzwischen machen sich die Einfl\u00fcsse Putins nicht nur im Balkan immer st\u00e4rker bemerkbar, sondern sie haben auch f\u00fcr eine Zersetzung der Vi\u0161egrad-Gruppe gesorgt, wo sich in Ungarn und der Slowakei zwei exponierte Russland-Unterst\u00fctzer mit einer entsprechenden \u201eFriedensnarration\u201c \u2013 sprich einer Kapitulation der Ukraine &#8211; hervortun. Der von einem Gro\u00dfungarn tr\u00e4umende Revisionist Orb\u00e1n steht dabei f\u00fcr ein Land, das sowohl Mitglied der EU als auch der NATO ist. \u00c4hnlich wie sein Amtskollege Fico in der Slowakei verz\u00f6gert oder torpediert Orb\u00e1n regelm\u00e4\u00dfig Beschl\u00fcsse, die f\u00fcr die beiden westlichen B\u00fcndnisse sicherheitspolitisch existenziell sind. Einen \u00e4hnlichen Weg schl\u00e4gt die von dem Putin unterst\u00fctzenden Milliard\u00e4r Bidsina Iwanischwili kontrollierte Regierung Georgiens ein, das den als Ziel in der georgischen Verfassung verankerten EU-Beitritt faktisch au\u00dfer Kraft gesetzt hat. Die Proteste der Zivilgesellschaft werden dabei nach altem Muster als vom Westen provozierte Einmischung gnadenlos niedergekn\u00fcppelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Ausgang der ersten Runde der Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Rum\u00e4nien mit dem beachtlichen Erfolg des Chauvinisten und Russlandfreunds \u010calin Georgescu sowie der Anstieg des Stimmenanteils der rechten Parteien bei den Parlamentswahlen vom 1. Dezember (ca.28 Prozent), die allesamt EU- und NATO-kritisch sind, kommt einer eindeutigen Schw\u00e4chung der westlichen B\u00fcndnissysteme gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Da befindet sich der dritte starke Mann, Chinas Xi Jinping, trotz veritabler Wirtschaftskrise und einem andauernden Wirtschaftskrieg mit den USA, in einer relativ komfortablen Situation. Immerhin wurde das einstige Weltreich China im 19. Jahrhundert von den europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chten brutal ausgebeutet und konnte erst nach einem blutig gef\u00fchrten B\u00fcrgerkrieg seine staatliche Unabh\u00e4ngigkeit erk\u00e4mpfen. Nach einer langen nur in Ans\u00e4tzen erfolgreichen volksdemokratischen Experimentierphase, der Abermillionen Menschen zum Opfer fielen, schuf es eine effektive staatskapitalistische Wirtschaftsordnung und begann mit seinen Billigprodukten die Welt zu erobern.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig \u00f6ffnete es f\u00fcr westliche Technik und Luxuswaren einen gewaltigen Markt und erwies sich als gelehriger Sch\u00fcler. Inzwischen hat es den Westen in zahlreichen Technologie- und Wirtschaftsbereichen eingeholt und betreibt eine globale expansive, geopolitisch orientierte Wirtschaftspolitik. Nach innen geht man hart gegen Oppositionelle vor, verfolgt ethnische Minderheiten in \u201eUmerziehungslagern\u201c und perfektioniert einen allumfassenden \u00dcberwachungsstaat, der es den Machthabern erm\u00f6glicht fr\u00fchzeitig zu agieren und notfalls zu intervenieren, wenn es zu unerw\u00fcnschten Reaktionen in der Bev\u00f6lkerung kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Reich der Mitte konnte sich \u00e4hnlich wie in Russland zu keiner Zeit eine Zivilgesellschaft nach westlichem Muster herausbilden. Auch in China ist man nicht bereit, allgemeine, global geltende Menschenrechte \u2013 wie sie f\u00fcr den Westen verbindlich sind \u2013 zu akzeptieren. Die chinesische Narration basiert dabei auf den vier gro\u00dfen Bestrebungen, die ein Resultat der einstigen Schw\u00e4che und kolonialen Ausbeutung Chinas sind. Hierbei handelt es sich weder um einen populistisch proklamierten MAGA \u2013 noch um einen angestaubten MRGA-Mythos, sondern um eine auf langen Atem ausgelegte Zukunftsstrategie, die ohne viel Get\u00f6se daherkommt, aber eindeutig an einen globalen Hegemonieanspruch gekoppelt ist, der im Falle von Taiwan auch mit Gewalt umgesetzt werden soll. Letztlich also auch um ein MCGA, das einst auf leisen Sohlen daherkam, dann aber seine Ziele immer aggressiver anzumahnen und durchzusetzen begann und sich durch einen Siegfrieden Putins ermutigt f\u00fchlen k\u00f6nnte, ganz \u00e4hnlich gegen Taiwan vorzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>China bleibt \u2013 \u00e4hnlich wie Russland &#8211; revisionistisch orientiert. Dabei strebt Peking im Einklang mit Russland konsequent eine Neubestimmung der Machtverh\u00e4ltnisse und eine Neugestaltung der globalen Ordnung an. Hierf\u00fcr stehen die von autokratischen Regimen propagandistisch ausgeschlachteten Schlagw\u00f6rter von \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c und \u201eMultipolarit\u00e4t\u201c, die als Widerstand gegen und Emanzipation von den hegemonialen Anspr\u00fcchen des Westens verwendet und gebetsm\u00fchlenhaft in der Staatspropaganda Russlands, Chinas, des Irans, Nordkoreas und ihrer Unterst\u00fctzerstaaten im globalen S\u00fcden wiederholt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den oben genannten vier gro\u00dfen Bestrebungen Chinas handelt es sich um die Kontrolle \u00fcber umstrittene Grenzregionen wie Tibet und Xingjang, den Aufbau einer erfolgreichen Wirtschaft, um die F\u00fchrungsrolle der KP zu gew\u00e4hrleisten, den Erhalt der eigenen Souver\u00e4nit\u00e4t durch den Widerstand gegen die Einmischung anderer M\u00e4chte sowie um die R\u00fcckgewinnung verlorener Gebiete wie Taiwan und die Inseln im S\u00fcdchinesischen Meer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damit verbundene Strategie des Machtausbaus ist weder mit den Sicherheitsinteressen der Nachbarl\u00e4nder noch mit dem Anspruch vereinbar, der von den USA vertreten wird. Hieraus resultiert zwangsl\u00e4ufig auch der Konflikt mit den USA und den mit den USA verb\u00fcndeten Nachbarstaaten. Man versucht der wachsenden wirtschaftlichen und geopolitischen Dominanz Chinas nicht nur im S\u00fcdchinesischen Meer, das China ganz f\u00fcr sich beansprucht, sondern in zahlreichen anderen Weltregionen entgegenzuwirken. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat sich auch unter Biden ausgeweitet und wird sich nach dem Amtsantritt Trumps im Januar 2025 voraussichtlich noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber kann der liberale, demokratisch orientierte Westen diesem Macht- und Imagezuwachs aggressiv und expansionistisch ausgerichteter revisionistischer Autokratien entgegensetzen, um sich selbst zu sch\u00fctzen und in Frieden und Freiheit leben zu k\u00f6nnen? Das h\u00e4ngt wohl in hohem Ma\u00dfe davon ab, wohin sich die einstige F\u00fchrungsmacht des Westens unter einer Pr\u00e4sidentschaft von Donald Trump hin entwickelt. Sollte die NATO \u2013 wie nach 2014 \u2013 nicht in der Lage sein, nach einem wie auch immer gearteten Waffenstilstand mit Russland, die Sicherheit der Ukraine und somit eine friedliche und freiheitliche Entwicklung der Ukraine (unabh\u00e4ngig von deren territorialer Ausdehnung) glaubhaft zu garantieren- also Russland nachhaltig abzuschrecken \u2013 so bedeutet dies den endg\u00fcltigen Bankrott der westlichen Werteordnung, nicht nur in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine nachhaltige Abschreckung Russlands kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Ukraine zum vollwertigen NATO-Mitglied wird. F\u00fcr diese Option sprechen sich gegenw\u00e4rtig weder die USA noch die f\u00fchrenden EU-Staaten aus. Im Gegenteil, die von der zuk\u00fcnftigen Trump-Regierung ventilierten Pl\u00e4ne zielen in eine andere Richtung. Auch Deutschland und Frankreich, die 2008 ma\u00dfgeblich daf\u00fcr sorgten, dass die Ukraine keine realistische NATO-Beitrittsperspektive erhielt, ergreifen diesbez\u00fcglich auch jetzt keine Initiative. Bleiben die geopolitisch weitaus st\u00e4rker bedrohten skandinavischen und baltischen Staaten sowie Polen, die einen NATO-Beitritt der Ukraine bef\u00fcrworten, aber bei ihren B\u00fcndnispartnern kaum auf Geh\u00f6r sto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle bisher vorgeschlagenen Sicherheitsgarantien, die unterhalb eines NATO-Beitritts der Ukraine rangieren, bleiben unzureichend, weil sie mangels notwendiger Abschreckung f\u00fcr keinen l\u00e4ngerfristigen Frieden sorgen. Russland h\u00e4lt an seinen globalen Kriegszielen fest und wird sie unter Androhung des Einsatzes von Atomwaffen versuchen durchzusetzen, sofern sich die USA &#8211; und vor allem Europa \u2013 als NATO-Verb\u00fcndete &#8211; dieser Entwicklung nicht entschieden entgegenstellen und der Ukraine eine glaubhafte \u00dcberlebens- und Entwicklungsperspektive er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da das transatlantische Jahrhundert mit der zweiten Pr\u00e4sidentschaft Trumps wohl endg\u00fcltig zu Ende geht, bleibt angesichts der Zerrissenheit der EU nur die Hoffnung auf den atomaren Schutzschild der USA. Und um nicht den letzten Rest an Glaubw\u00fcrdigkeit zu verlieren und zum Spielball Putins und seiner Verb\u00fcndeten zu werden, eine viel entschlossenere milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der Ukraine sowie eine erhebliche Erh\u00f6hung der eigenen Verteidigungsanstrengungen. Doch selbst wenn dies gelingen sollte, ist angesichts des in den USA angek\u00fcndigten Wandels nicht absehbar, ob der globale Westen mit seiner liberalen Ordnung der Achse imperialer revisionistischer M\u00e4chte im Osten wird erfolgreich widerstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Leseempfehlung: Andreas R\u00f6dder: \u201eDer verlorene Frieden\u201c. Vom Fall der Mauer zum Neuen Ost-West-Konflikt. M\u00fcnchen 2024, Heinrich August Winkler: Wie der Frieden verlorenging. Andreas R\u00f6dder legt eine gl\u00e4nzende Studie zum Zerfall der Weltordnung von 1990 vor. In: FAZ, 30.11.24, S.L10; Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten. 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