{"id":5248,"date":"2026-03-16T09:49:00","date_gmt":"2026-03-16T07:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesw.de\/?p=5248"},"modified":"2026-03-16T09:49:02","modified_gmt":"2026-03-16T07:49:02","slug":"under-pressure-wirtschaft-in-deutschland-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesw.de\/index.php\/2026\/03\/16\/under-pressure-wirtschaft-in-deutschland-heute\/","title":{"rendered":"Under Pressure\u201c \u2013 Wirtschaft in Deutschland heute"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>\u201eJetzt wird wieder in die H\u00e4nde gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt\u201c (Geier Sturzflug, 1983)<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Gerhard Sch\u00fcsselbauer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahren wird die wirtschaftliche Lage in Deutschland kontrovers diskutiert. Befindet sich das Land zwischen L\u00e4hmung, Katharsis und fundamentalen Richtungsentscheidungen im Jahr 2026? Wie steht es um den gegenw\u00e4rtigen Zustand des gr\u00f6\u00dften und einflussreichsten Landes und der gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft Europas auch im Vergleich mit anderen EU-L\u00e4ndern? Werden die gigantischen neuen Staatsschulden, euphemistisch als \u201eSonderverm\u00f6gen\u201c tituliert, tats\u00e4chlich den produktiven Multiplikatoreffekt bringen, indem vor allem die investive Verwendung dieser zus\u00e4tzlichen Finanzmittel gest\u00e4rkt wird?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vor allem geht es um die Priorit\u00e4ten in der wirtschaftspolitischen Ausrichtung \u2013 mehr oder weniger und vor allem welche konkreten staatliche Eingriffe, welche Prozess- und Industriepolitik und welche sozialpolitischen Weichenstellungen aufgrund des demographischen Wandels, der in seiner Dynamik nicht aufzuhalten ist, sondern ein Faktum darstellt? Es ist richtig, festzuhalten, dass wegen des massiven demographischen Wandels und des Ausscheidens von Millionen von Produktivkr\u00e4ften aus dem Erwerbsleben h\u00f6here Wachstumsraten nicht mehr m\u00f6glich sind, da schlicht die hochproduktiven Fachkr\u00e4fte fehlen und deren Rente\/Pension im Umlagesystem sowie durch Staatseinnahmen finanziert werden m\u00fcssen. Dies b\u00fcndelt ungeheure Ressourcen. Durch wesentlich verbesserte Erwerbsanreize und zwingend notwendige Reformen in der Zuwanderungspolitik k\u00f6nnte das Absinken des Arbeitsvolumens aufgehalten werden, denn im Jahr 1991 arbeiteten 40 Mio. Erwerbst\u00e4tige so viel wie heute 46 Mio. Erwerbst\u00e4tige. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben zwar deutlich mehr Erwerbst\u00e4tige im Arbeitsmarkt, was sehr w\u00fcnschenswert ist, arbeiten aber deutlich weniger als durchschnittliche Erwerbst\u00e4tige vor Jahren. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Besch\u00e4ftigten \u2013 also Voll- und Teilzeit \u2013 liegt nun bei 34,7 Stunden. Die eines\/r Vollzeitbesch\u00e4ftigten betr\u00e4gt laut Statistischem Bundesamt 40,4 Stunden. Nur eine zielorientierte Migrationspolitik und verst\u00e4rkte Anreize, eine Arbeit aufzunehmen, k\u00f6nnen den gravierenden Fachkr\u00e4ftemangel reduzieren und den steigenden Finanzierungsbedarf in den Sozialversicherungen (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) abdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind jedoch die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die strukturellen Schw\u00e4chen in der Wirtschaftsstruktur sowie der politischen Landschaft Deutschlands, die die Alarmglocken schrillen lassen? Es lassen sich hier zwei interne\/endogene Faktoren sowie ein exogener Faktor ausmachen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Glaubw\u00fcrdigkeit und Vertrauen in der Wirtschaftspolitik als wichtigstes \u00f6ffentliches Gut in der politischen \u00d6ffentlichkeit: <\/strong>                                                                                      Die von Bundeskanzler Merz angef\u00fchrte Bundesregierung hat es sich nach dem Bruch der Ampelkoalition zum Hauptziel gesetzt, die wirtschaftliche Schw\u00e4che Deutschlands zu \u00fcberwinden. Denn ein weiterer Schaden in der \u00f6konomischen Entwicklung w\u00e4re im Superwahljahr 2026 w\u00e4re Wasser auf die M\u00fchlen rechts- und auch linkspopulistischer Str\u00f6mungen und Parteien, die nach einfachen L\u00f6sungen und vor allem \u201eF\u00fchrerschaft\u201c \u00e0 la Donald Trump lechzen. Das Jahr 2026 bringt neben dem Krieg in Nahost und der Fortdauer des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auch gro\u00dfe sozial- und wirtschaftspolitische Herausforderungen in Deutschland und in der EU mit sich. Das Desaster um die deutsche Finanzpolitik, vor allem die Struktur und H\u00f6he der Staatsausgaben, gekoppelt mit einer ungeheuer aufgebl\u00e4hten B\u00fcrokratie, offenbaren schonungslos die Schwachstellen der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die deutsche Bundesregierung hat nach wie vor die gro\u00dfe Aufgabe, den Spagat aus (wirtschaftlicher) Freiheit, Ausgaben f\u00fcr die Sicherheit und Finanzierung sozialer Sicherung zu bew\u00e4ltigen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schwaches Wachstum des Produktionspotenzials<\/strong>:                                                             Bereits die Covid-19-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und nun die erneute Energiepreiskrise offenbaren schonungslos, dass die Abh\u00e4ngigkeit von energieintensiven Industriezweigen der Hochtechnologie massive Auswirkungen nach sich zieht. Die ben\u00f6tigte Frischzellenkur der deutschen Energiewirtschaft und die digitale Umstrukturierung der wichtigsten Wirtschaftsbereiche, der staatlichen Verwaltung und der Bildungslandschaft hinken stark hinter der erforderlichen Dynamik hinterher. Der Modernit\u00e4tsgrad des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks in Deutschlands ist seit langem r\u00fcckl\u00e4ufig, was ein veritables Wachstumshemmnis darstellt. Dazu kommt eine geradezu dramatische Ver\u00e4nderung in der Altersstruktur der Besch\u00e4ftigten. Nicht nur der Kapitalstock unserer Volkswirtschaft altert, sondern auch die Besch\u00e4ftigung!<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ver\u00e4nderte weltwirtschaftliche Dynamik im Welthandel und stagnierende niedrige Einkommen:<br><\/strong>Die erratisch handelnde Trump-Administration hat sich aufgrund der protektionistischen US-Handelspolitik zu einer Dauerbelastung f\u00fcr Deutschland und die weitere EU entwickelt. F\u00fcr die Exportnation Deutschland ziehen diese negativen externen Effekte massive handelsvernichtende Auswirkungen nach sich. Zudem wird es f\u00fcr die deutsche Volkswirtschaft immer wichtiger, die wirtschaftliche und klimaneutrale Transformation im EU-Binnenmarkt ma\u00dfgeblich zu gestalten und nicht nur z\u00e4hneknirschend zu erdulden. Die Konkurrenz aus China im Bereich E-Mobilit\u00e4t, KI oder anderer Technologieg\u00fcter fordert die deutsche Industrie und das verarbeitende Gewerbe in einem Ma\u00dfe heraus wie seit Jahren nicht. Die Ungewissheiten, verbunden mit der Dauer des Krieges gegen den Iran, wirken geradezu als Gift f\u00fcr das zarte Aufschwungspfl\u00e4nzchen.<br><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ein Blick in unser Land legt nahe, dass seit 2005 die Haushaltsnettoeinkommen der unteren Einkommensgruppen in Deutschland stagnieren. Immer mehr Gruppen der Gesellschaft sind daher von Armutsgef\u00e4hrdung betroffen. Dies trifft insbesondere auf im Ausland geborene und zugewanderte Personen zu. Nur durch verst\u00e4rkte Anreize zur Aufnahme einer Erwerbst\u00e4tigkeit im ersten Arbeitsmarkt sowie durch verst\u00e4rkte Ausbildung kann diesem Trend entgegengewirkt werden. Armutsgef\u00e4hrdung ist mit problembehafteten Merkmalen wie Bildungsbenachteiligung, mangelnder Chancengerechtigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit sowie schlechterer Gesundheit korreliert. Daher ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Gegenwart und der Zukunft, in diesen Bereichen verst\u00e4rkt zu investieren.<br>Bislang sind wir in Deutschland und in der EU von einer veritablen Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit verschont geblieben, auch weil sich wegen demographischer Entwicklungen eine Robustheit des Arbeitsmarktes zeigt. Im Gegenteil, der Fachkr\u00e4ftemangel in vielen Bereichen der Wirtschaft (Gesundheit, Bildung, Industrie, Handwerk, Transport) seinerseits erweist sich als echtes Wachstumshindernis, auch wenn ein Stellenabbau in verschiedenen Industriezweigen zu beobachten ist. Eine lange Phase der Stagnation der volkswirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands w\u00fcrde nicht nur eine Belastung der Leistungsf\u00e4higkeit des Landes bedeuten, sondern auch die ohne fragile politische Stabilit\u00e4t im Superwahljahr 2026 massiv gef\u00e4hrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJetzt wird wieder in die H\u00e4nde gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt\u201c (Geier Sturzflug, 1983) Dr. Gerhard Sch\u00fcsselbauer Seit Jahren wird die wirtschaftliche Lage in Deutschland kontrovers diskutiert. Befindet sich das Land zwischen L\u00e4hmung, Katharsis und fundamentalen Richtungsentscheidungen im Jahr 2026? 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