Konstantin Wieneke
Erstes Gericht eines 3-Gänge Menüs: INTEGR-ACTION Acting together for rural inclusionand participation in the EU
Zubereitungszeit: 9 Tage
Koch-/Backtemperatur: 15-25 Grad
Zutaten: Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland, Italien, Lettland, Polen und
Rumänien
Keine Sorge, Sie haben sich nicht verklickt und sind auf SallysWelt oder chefkoch.de gelandet,
sondern wie gewohnt auf dem Blog des GESW, der sich für diesen Beitrag augenscheinlich
kurzzeitig zum Foodblog wandelt. Doch nochmals keine Sorge, wir haben die Teilnehmenden
selbstverständlich auch nicht als Zutaten für eine Vorspeisensuppe verkocht. Dennoch spielte
das Thema Essen über die ganze Woche des interkulturellen Jugendaustauschs immer wieder
eine maßgebliche Rolle. Doch dazu im Verlauf des Beitrags mehr.
Für das Programm INTEGR-ACTION Acting together for rural inclusion and participation in
the EU kamen mehr als 30 Jugendliche und junge Erwachsene aus fünf verschiedenen EULändern in unserm Haus in Vlotho zusammen, um sich mit Fragen zu Integration, Diversität, Partizipation und sozialer Inklusivität zu beschäftigen und sich Länder- und Kulturübergreifend dazu auszutauschen.
Nachdem am ersten Tag in das Thema und den Programmablauf eingeführt wurde, war der Tagesabschluss mit dem Snack from Home der endgültige Ice-Breaker zum Kennenlernen. Alle Delegation steuerten landestypische Süßigkeiten und andere Spezialitäten bei und teilten sie mit der gesamten Gruppe.

Am Montag brachten die Teilnehmenden einen Familienstammbaum, sowie Familienfotos oder persönliche Gegenstände aus vergangenen Zeiten mit und lernten daraus in Kleingruppen, dass Migration und damit Integration über die Generationen in fast allen ihrer Familien eine Rolle gespielt hat. Beim Abendessen wurde deutlich, dass das Eis in
der Gruppe endgültig gebrochen war. Der Speisesaal wurde kurzerhand umgeräumt, sodass aus vielen kleinen Tischen eine große Tafel entstand und alle für ein gemeinsames Essen integriert werden konnten.
Dienstag stand im Zeichen der Vertiefung der inhaltlichen Arbeit und wir
legten besonderen Fokus darauf, wie Integration in eher ländlich geprägten Gegenden
funktionieren kann. Als Teil einer Methodik erarbeitete eine Kleingruppe ein sogenanntes
INTER-RESTAURANT. Inklusive gehobener Kleidung vermittelten Sie den Gästen (den
restlichen Programmteilnehmenden) rollenspielartig Gemeinsamkeiten in den
Essgewohnheiten der fünf Teilnehmendennationen. Ob Pierogi, Pīrāgi, Ravioli, Colțunași oder
Maultaschen, am Ende sind es alles Teigtaschen mit einer Füllung und vielleicht kann auch
darüber etwas von gelebter Integration vermittelt werden.

Am Mittwoch stand ein Ausflug nach Bielefeld an. Im Welthaus Bielefeld lernten die jungen Menschen eine ganz konkrete Initiative kennen, die sich für Integration in der Region einsetzt und konnten so erstmals eine Perspektive entwickeln, was sie vielleicht selbst in ihrer Region beitragen könnten. Vor der Stadterkundung gab es noch eine Stärkung in Form von gelieferter Pizza. Die italienischen Teilnehmenden beäugten die Spezialität kritisch und vergaben vier von zehn Punkten. Auf den ersten Blick sieht das nach einer schwachen Bewertung aus, doch wir lernten, dass es eine Skala für italienische Pizza und eine Skala für internationale Pizza gibt. Eine 4/10 auf der italienischen Pizza Skala bedeutet in der Realbewertung acht von zehn Punkten.
Auch am Donnerstag traf die Gruppe zivilgesellschaftliche Organisationen aus Vlotho und Umgebung, die sich für Integration von Geflüchteten und kulturellen Austausch einsetzen. Ein weiterer Anhaltspunkt für mögliches eigenes Engagement. Zudem erfuhr ein rumänischer Teilnehmender, dass unsere Küchenchefin vor etlichen Jahren Helmut Kohl und Michail Gorbatschow bekochen durfte, was in unendlichem Interesse und unzähligen Nachfragen über den Rest der Woche mündete.
Einen Wendepunkt des Austauschs stellte der Freitag dar. Bei köstlichem Kaffee und Kuchen im Kirchcafé Schötmar, lernten wir eine Geflüchtete aus Afghanistan kennen, die im Kirchcafé
erste Kontakte und schließlich Freunde in Deutschland finden konnte. Sie teilte ihre bewegende Flucht- und Integrationsgeschichte mit der Gruppe, wodurch die Teilnehmenden eine Realität erfuhren, die für grundlegend neue Perspektiven auf das Thema Migration und Integration sorgte.
In einem Sternerestaurant wird oftmals von einer kulinarischen Reise durch die verschiedenen Gänge gesprochen. Beim GESW ist unsere Reise mit dem Abschluss des Programms am Samstag allerdings noch nicht abgeschlossen, denn der Austausch in Vlotho war nur die erste Speise im INTEGR-ACTION drei Gänge Menü. Noch nicht ganz gesättigt freuen sich die Teilnehmenden auf weiteren Austausch und inhaltliche Weiterentwicklung in Polen und Italien
im Frühjahr 2027.
