Ist die gegenwärtige Protestbewegung in vielen europäischen Ländern nur eine Gen-Z-Bewegung?

Don’t you know | They’re talking about a revolution? | It sounds like a whisper (Tracy Chapmann)

Dr. Gerhard Schüsselbauer

In Europa ist momentan eine Menge los auf den Straßen. Vergleiche mit 1968 oder gar 1789 sowie 1848 sind schnell zur Hand. Viele Proteste bis hin zu gewalttägigen Exzessen und Plünderungen sowie schweren Brandstiftungen werfen die Frage nach den tieferen Hintergründen auf. Klar ist, es gibt nicht die eine europäische Protestbewegung. Vielmehr entstehen in unterschiedlichen Ländern Proteste, die sich in ihren unmittelbaren Anlässen, politischen Zielen und gesellschaftlichen Gruppen unterscheiden. Gemeinsamkeiten gibt es vor allem bei den Ursachen, den Mobilisierungsformen und dem Verhältnis junger Menschen zu Politik und Gesellschaft. Die aktuellen Protestwellen haben teilweise mit der Lebenswirklichkeit der Gen-Z (junge Menschen, je nach Abgrenzung, geboren etwa zwischen 1995 und 2010) zu tun, aber die Proteste in Europa lassen sich nicht insgesamt als Gen-Z-Bewegung im Sinne der Frage nach der Generationengerechtigkeit (Intergenerational Equity) verstehen. In vielen Ländern stehen junge Menschen im Mittelpunkt der Mobilisierung. Sie protestieren gegen politische Entscheidungen, soziale Ungleichheit, fehlende Zukunftsperspektiven und das Gefühl, dass ihre Interessen von den etablierten politischen Institutionen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Doch diese Probleme tangieren die Lebensbereiche fast aller Menschen, die nicht zu den 10 oder 15 Prozent der wirklich einkommens- und vermögensstarken Mitglieder einer Gesellschaft gehören.

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