Living Diversity and Shaping the Future of Europe

Von Dr. Gerhard Schüsselbauer

Was macht das Leben in Europa so besonders? Für Menschen aus nicht-europäischen Ländern und Kulturen sind es neben der reichen, konfliktreichen und kontroversen Geschichte vor allem die kulturelle Vielfalt und Sprachen, die Europa so attraktiv machen. Die Idee „Europa“ umfasst dabei viel mehr als das geographische Konzept. Vor allem in der Philosophie wurde das Konzept „Europa“ immer wieder an herausragender Stelle hervorgehoben – von John Locke über Immanuel Kant bis zu Jürgen Habermas.

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Und auch die europäische Literatur bietet zahllose Beispiele – von Thomas Mann und Stefan Zweig über Milan Kundera bis Javier Marías. Dabei hängt die Zukunft Europas in ganz besonderem Maße auch von der Zukunft von Jugendbegegnungen und dem interkulturellen Lernen ab. Umso bedauerlicher ist, dass das Vereinigte Königreich sich Anfang 2021 endgültig aus dem großen EU-Programm Erasmus+ verabschiedet hat. Immerhin haben davon in den letzten Jahren etwa 200.000 britische junge Menschen profitiert und noch wesentlich mehr aus den verbliebenen 27 EU-Ländern, die das britische Königreich für einen längeren Aufenthalt besuchen durften und den kulturellen Austausch zweifelsohne bereicherten.

Die Vielfalt in den europäischen Ländern und Kulturen ist keine Wunschvorstellung, sondern eine historisch gewachsene Tatsache. Homogene Kulturen oder Länder hat es in der europäischen Geschichte nie gegeben. Das ist eine geschichtsklitternde Illusion der Rechtspopulisten und Ultranationalisten. In Wirklichkeit bedeutet gelebte Vielfalt auch den Wettbewerb und befruchtenden Austausch unter den Menschen, Gruppen, Gesellschaften und auch Unternehmen. „Living Diversity“ in Europa ist nur möglich, wenn langfristige Unterstützung gegeben ist und es den Mut vieler kleiner Graswurzelorganisationen gibt, altbekannte Pfade zu verlassen und Wagnisse einzugehen. Kreativer Fortschritt, der im Besonderen auch den technischen und organisatorischen Fortschritt in den europäischen Volkswirtschaften begünstigt, ist nur bei Offenheit, Toleranz und einer zukunftsgerichteten Zielorientierung möglich.

„Living Diversity“ bei Maßnahmen der Bildungsarbeit bedeutet auch, dass eine intensive und inhaltliche Zusammenarbeit mit Migranten-Organisationen ausgesprochen lohnenswert ist. Um die Zukunft EU-ropas sinnvoll zu gestalten, braucht es eine intensivierte Kooperation zwischen internationalen Trägern der Jugendbildung, damit vielfältige interessante Formate zu den Themenbereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung, Kommunikation und Ökologie entwickelt werden können. Insbesondere die Konzentration auf die Themenschwerpunkte und Querschnittsaufgaben „Partizipation von Jugendlichen“, „Förderung eines demokratischen Wertebewusstseins“ sowie „Stärkung des europäischen und interkulturellen Bewusstseins“ zeigt, dass eine thematische Zielrichtung in Verbindung mit vielfältigen Methoden des non-formalen Lernens die Teilnehmenden hervorragend aktiviert und den Diskurs fördert. „Living Diversity“ umfasst alle Lebensbereiche und ist viel mehr als ein bloßer Catch-all-Begriff, der einen gewissen Lifestyle reflektiert. Die Zukunft EU-ropas gestalten heißt auch die Vielfalt leben und verteidigen!

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