Schulische, historische und satirische Bildung: Aufgeschnappt KW 6

[ms] Das GESW beginnt, sich in der virtuellen Welt zuhause zu fühlen. Wir stellen deshalb zukünftig in der Kategorie #aufgeschnappt an jedem zweiten Montag Fundstücke aus dem Netz vor, die für politische Bilder*innen interessant sein dürften – von Diskussionsbeiträgen zur politischen Bildung selbst bis zu inspirierenden Artikeln und viralen Videos soll alles dabei sein. Die erste Ausgabe ist hierfür ein schönes Beispiel. Im Geiste unseres dritten Fundstücks: It’s great. It’s terrific. It is absolutely fantastic.

Schulisch und außerschulisch

Dass politische Bildung die Demokratie schützt, wissen Träger der außerschulischen Bildungsarbeit. Auf Zeit Online wurde diese Erkenntnis letzte Woche mit einem eigenen Artikel unter dem Titel „Schule gegen Populismus“ bedacht. Die Effektivität der politischen Bildung, ihr Verfassungsrang und ihre besondere Methodik werden dort anerkannt. Bezeichnend ist nur, dass es ausschließlich um den Politikunterricht in der Schule geht. Es ist zu begrüßen, dass eine große Zeitung sich aktuell mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der politischen Bildung beschäftigt, dabei den Beutelsbacher Konsens erklärt und die Erreichbarkeit unterschiedlicher Zielgruppen thematisiert. Schade nur, dass die außerschulische politische Bildung im Artikel fast gar keinen Raum erhält. Umso mehr zeigt der Artikel die Notwendigkeit der Zusammenarbeit im Bildungsbereich auf – und kann damit als Aufruf an die Netzwerke der politischen Bildung gelten, sich sichtbarer zu machen.

Individualismus und Populismus

Es ist noch nicht lange her, da war der Individualismus im neuen Jahrtausend ein Lieblingskind des Feuilleton-Journalismus. Die Generation Y war die Protagonistin zahlreicher gesellschaftskritischer Beiträge, die den Wunsch nach Selbstverwirklichung zum Problem erhoben. Angesichts einer neuer politischen Protestkultur (Stichwort Pegida) scheint nunmehr das Kollektiv wieder in den Vordergrund zu rücken. Wechselwirkungen zwischen Individualismus und Kollektivismus scheinen jedoch mit Hinblick auf neue politische Entwicklungen von einer bisher unerkannten Brisanz zu sein. Das zeigt der Historiker Janosch Steuwer im Portal Geschichte der Gegenwart. Er legt einen Artikel mit dem zunächst unverdächtigen Titel „Der Marsch der Individualisten“ vor, in dem er die Entwicklung des Nationalsozialismus unter Rückgriff auf zeitgenössische Quellen wie die Schriften Konrad Heidens beleuchtet. Steuwer beschreibt, dass nicht im Kollektiv der Schlüssel liegt, um die historischen Ereignisse zu verstehen. Vielmehr bildete ihm zufolge die NSDAP eine Projektionsfläche für Individualisten mit unterschiedlichsten Ansichten, die sich ihre politische Heimat dort eher selbst konstruierten als sie tatsächlich vorzufinden. Denkanstöße für die Gegenwart – und für die Arbeit in der politischen Bildung – bietet der Artikel in reicher Zahl.

Amerika und Europa

Eines der bisher schönsten Netzphänomene des jungen Jahres begann mit den Niederlanden und ihrer Bitte „America First, the Netherlands Second“. In einem vierminütigen Clip, der im Rahmen der Latenight Comedy Zondag met Lubach entstand, machen die Niederlande Werbung für sich als zweitwichtigstes Land nach den USA und nehmen damit den amerikanischen Präsidenten gekonnt aufs Korn: „We built an entire ocean, okay, an entire ocean between us and Mexico. Nobody builds oceans better than we do. This ocean is so big, you can even see it from the moon. And we made the Mexicans pay for it.“ Das Video hat Wellen geschlagen und ist zu einer europäischen Bewegung avanciert: Auf Twitter unter dem Hashtag #everysecondcounts und auf der zugehörigen Internetseite gibt es inzwischen auch Videos aus Belgien, der Schweiz, Deutschland, Dänemark, Litauen, Luxemburg und Portugal – eine Fundgrube für Diskussionen zur Tagespolitik, aber auch zu nationalen Stereotypen.

Wir stellen jeden zweiten Montag in der Kategorie „Aufgeschnappt“ mehr oder weniger aktuelle Fundstücke aus dem Netz vor, die für die politische Bildung interessant sind. Hinweise auf Artikel, die in diese Reihe gehören, können uns über unseren Twitteraccount @gesw_vlotho gerne mitgeteilt werden.

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