Chinesische Fachdelegation und die Arbeit der Ost-West-Institute

von Dr. Gerhard Schüsselbauer

Was ist außerschulische Bildung mit Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa in Deutschland? Diese Frage interessierte eine Delegation von Chinesinnen und Chinesen, die vornehmlich aus der staatlichen Verwaltung kommen. Interessanterweise waren die Teilnehmenden der Delegation aus Hongkong und Macau, den Sonderverwaltungszonen in der Volksrepublik China, die zwar dem chinesischen Staat unterstehen, aber wirtschaftliche Freiheiten genießen und zu den ökonomisch am stärksten entwickelten Regionen der Welt gehören.

Ausgehend von der Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg, der Teilung Deutschlands und Europas in West und Ost sowie den damit im Zusammenhang stehenden Bildungsanforderungen in einer demokratischen Ordnung umriss Gerhard Schüsselbauer in seinem Vortrag Strukturen und Schwerpunkte sowie Aspekte der Finanzierung der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Kernaspekte der Betrachtung bildeten auch die Entwicklungen nach der Herstellung der deutschen Einheit 1990 sowie der Aufbau von außerschulischen Bildungsstrukturen in Ostdeutschland. Darüber hinaus stellte die Frage der Behandlung von Themen mit Religionsbezug für die chinesischen Teilnehmenden einen sehr interessanten Aspekt des Kennenlernens der deutschen Bildungslandschaft dar, da in Deutschland ein gleichsam säkularer Trend zu immer weniger Bildungsangeboten mit konfessionellen Inhalten zu beobachten ist. Speziell die Arbeit der acht Ost-West-Institute (OWI) mit ihren jeweiligen Schwerpunkten der Demokratieerziehung und der internationalen Jugendarbeit bildete ein weiteres Augenmerk der vertieften Betrachtung des Themas. Entstanden in der Zeit der Teilung Deutschlands und Europas spielen vor allem europapolitische sowie deutschlandpolitische Themen eine herausragende Rolle in der Seminarveranstaltungen und Studienfahrten der OWI.

Besonders spannend waren die Fragen und Interessen der chinesischen Delegierten, da diese sich einerseits auf den raschen Aufbau der Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland und die Rolle der USA, auch im Hinblick auf den Import von amerikanischer (Massen-)Kultur bezogen. Andererseits wurde nach der besonderen Führungsrolle Deutschlands innerhalb der europäischen Integrationsentwicklung gefragt. Gerade vor dem Hintergrund eines riesigen multiethnischen Landes mit einer kommunistischen Einparteienherrschaft ist die Frage nach dem Zusammenhalt und der Zukunft der EU von herausragender Bedeutung, auch wenn sich die EU und China keineswegs so einfach vergleichen lassen. Am interessantesten war zweifellos die sehr grundsätzliche Frage danach, was eigentlich „deutsch“ sei bzw. „Deutschland“ bedeute. Diese Frage lässt sich zumindest auf dreierlei Arten aufgreifen: kulturell als sprachlicher, wenn auch nicht einheitlicher Raum, historisch als mitteleuropäisches Gebiet deutscher Territorien seit dem frühen Mittelalter und politisch als staatliche Gemeinschaft, zumindest seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und natürlich im besonderen Maße seit 1990.

Dr. Gerhard Schüsselbauer ist Institutsleiter und wissenschaftlich-pädagogischer Mitarbeiter am GESW. Das Institut ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Ost-West-Institute.

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