Workshops zur Zukunft Europas

[gs/mg] Im Rahmen unserer Europaseminar führen wir regelmäßig Zukunftsworkshops durch. Jugendliche machen sich über die Fortentwicklung Europas und der Europäischen Union Gedanken und setzen ihre Vorstellungen kreativ um. Lucas Launert berichtet hier über Eindrücke und Inhalte dieser Einheit, die im Rahmen eines EU-Seminars mit Schüler*innen aus Flörsheim (Hessen) durchgeführt wurde.

Wir schreiben heute den 16.11.2018. Ich werde einige Aussagen über die Zukunft des Lebens in EU-ropa treffen. Im Jahr 2035 bleibt es meinem Nachfolger überlassen, mich zu korrigieren und die Realität niederzuschreiben.

  • Thesen über Europa und die Welt

Die Überlegung basiert auf dem im Jahr 2019 voraussichtlich erfolgenden Brexit. Ich gehe davon aus, dass diese Entscheidung katastrophale Folgen für die Briten haben wird. Im Jahr 2035 wird folglich das Vereinigte Königreich (Großbritannien und Nordirland) der EU wieder beigetreten sein. Zudem dürften die meisten Beitrittsgespräche der Länder des Balkans erfolgreich abgeschlossen sein bzw. im Begriff sein erfolgreich abgeschlossen zu werden.

Realität im Jahr 2035:

Im Westen ist Korruption und Geldgier in die Gesellschaft eingezogen. Explizit sogar weltweit. Der Umweltschutz verlor sehr stark an Bedeutung. Durch übersteigerten Nationalismus stehen sich die USA und die Russische Föderation noch feindlicher als bislang gegenüber. Die Europäische Union wurde in der direkten Folge entmachtet und zermalmt. Der Kalte Krieg ist zurückgekehrt.

  • Menschen, Umwelt und Technik

Ich schätze, dass im Jahr 2035 das norwegische Modell zur Förderung der Elektromobilität flächendeckend in der Union übernommen worden sein wird. Auch hoffe ich darauf, dass die italienische Regierung ihre Finanzpolitik in den Griff bekommen hat und solide Haushaltspolitik betreibt.

Realität im Jahr 2035:

Frankreich ist führend in der Nutzung der Atomkraft. Zudem wurde Marine Le Pen zur französischen Präsidentin. Durch eine atomare Katastrophe entsteht eine gigantische Flüchtlingskrise. Eine weitere atomare Katastrophe führt zu einer Kettenreaktion weltweit.

  • Bildung, Arbeit, Wirtschaft

Zur Verbesserung unserer Zukunft (im Speziellen der Zukunft der neuen Generation) nehme ich an, dass die EU einen gemeinsam organisierten Bildungsabschluss eingeführt haben wird – ähnlich der international anerkannten universitären Abschlüsse (BA/MA/Promotion). Die Digitalisierung ist sehr weit vorangeschritten.

Realität im Jahr 2035:

Es hat sich eine Weltregierung gebildet, welche autoritär regiert. Ein Überwachungsstaat ist alltäglich geworden und es ergibt sich aus Hoffnungslosigkeit kein Widerstand. Das Bildungssystem hat sich revolutioniert. Bildung erfolgt ausschließlich via Internet. Die persönliche Kommunikation ist vollkommen zum Erliegen gekommen. Menschen wird der Lebensraum zugewiesen.

  • Kultur, Identität und Lebensstil

Die Initiative „La Identidad Europea“ (eine – wie ich sie mir vorstelle – Art europäischer Dorfverschönerungsverein) wird für Aufsehen durch progressive Projekte in Architektur und Kunst sorgen. Sowohl das Lebensgefühl Süddeutschlands als auch das der Italiener und Südfranzosen wird Einzug in alle Länder der EU halten. Aus dem Norden wird das isländische Bildungs- und Arbeitsmodell großen Einfluss auf alle Länder der EU nehmen.

Realität im Jahr 2035:

Eine vegane Gesellschaft, aber auch Cybermobbing haben Einzug in die Mitte der Gesellschaft gefunden. Außerdem werden Individualisten aus der Gesellschaft gedrängt, weil Angleichung gesellschaftlich relevant ist. Individualismus findet schon lange keinen Platz mehr, weil er destruktiv ist.

Lucas Launert ist Student der Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Bielefeld und Teilnehmer im Programm Europa intensiv.

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