Religion im interkulturellen Lernen

von Mariella Gronenthal

Diese Woche sind Deutschlehrkräfte aus aller Welt im GESW zu Gast. Eine Teilnehmerin aus Tunesien erzählte mir am Montag, dass Sie am Sonntag in Vlotho im Gottesdienst gewesen sei. In Tunesien dürfe sie die Kirche nicht betreten. Hier habe sie Gottesdienst mitgefeiert, mitgesungen und mitgebetet. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen. Interkulturelles Lernen ist eben auch interreligiöses Lernen.

Petersdom, Rom
Petersdom, Rom, Italien

Derzeit, da der Islam in Deutschland stark als Politikum wahrgenommen wird und essentialistische Identitätszuschreibungen nicht nur auf der kulturellen Herkunft, sondern auch auf der Religionszugehörigkeit basieren, ist die Auseinandersetzung mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften wichtiger denn je. Die Integration muss als interkulturelle Erfahrung auch den Aspekt des Glaubens berücksichtigen – denn Religion hat für die kulturelle Prägung in Ländern, die nicht im gleichen Maße säkularisiert sind wie Deutschland, einen hohen Stellenwert. Das gilt nicht nur für den arabischen Kulturraum. In Polen etwa spielt der Katholizismus eine gewaltige Rolle für die kulturelle Identität der Menschen. Er beeinflusst auch die Wahrnehmung anderer Kulturen. Begegnung und Verständigung muss die Religion dann als wichtiges Parameter mit einbeziehen.

Sinan-Pascha-Moschee, Prizren, Kosovo
Sinan-Pascha-Moschee, Prizren, Kosovo

In Europa gibt es einen großen Reichtum an Religionen. Dennoch gründen Angebote der politischen Bildung weit häufiger auf einer Verständigung zwischen verschiedenen Ländergruppen. Dabei, das zeigt die Erfahrung aus unseren Seminaren, sind kulturelle Unterschiede oft schnell überwunden, wenn zwei Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen dem gleichen Glauben angehören. Dagegen scheinen die Differenzen bei Menschen aus dem gleichen Land manchmal schier unüberwindbar, wenn sie verschiedenen Glaubensbekenntnissen folgen.

Synagoge, Budapest
Große Synagoge, Budapest, Ungarn

Um die interreligiöse Bildung als Teil der politischen interkulturellen Bildung zu profilieren, bietet das GESW vom 16. bis zum 18. November 2017 ein Multiplikator*innenseminar zum interreligiösen Dialog an. Geladen sind Vertreter*innen aus der außerschulischen interreligiösen Bildung, von Initiativen, Vereinen, aus der Wissenschaft und aus verschiedenen Gemeinden. Methodischer Input zur Arbeit in der interreligiösen Bildung wird ebenso Bestandteil der Veranstaltung sein wie Debatten über die Stellung von Religion in der Gesellschaft.

Der Teilnahmebetrag für das zweitägige Seminar beträgt 60,-€. Das Programm mit allen Details finden Sie hier.

Sveti Jovan Kaneo, Ohrid
Sveti Jovan Kaneo, Ohrid, Mazedonien

Wir erbitten Anmeldungen bis zum 6. November 2017. Bitte schicken Sie dazu eine formlose Email unter Angabe Ihres Namens, Ihrer Schule / Institution, ihrer Adresse, Ihres Geburtsdatums und ggf. besonderer Essgewohnheiten an info@gesw.de. Inhaltliche Fragen richten Sie gerne an mariella.gronenthal@gesw.de

 

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