Die Schule und die außerschulische Bildung

von Mariella Gronenthal

Das GESW ist ein außerschulischer Bildungsträger und betreibt als solcher Jugend- und Erwachsenenbildung. Schon im Begriff der außerschulischen Bildung ist eine Position gegenüber Schule gleichsam angelegt – ex negativo. In unserer Tätigkeit müssen wir uns regelmäßig von Schule und schulischen Angeboten abgrenzen. Gleichzeitig sind Schulen wichtige Kooperationspartner für uns. Dieses Spannungsfeld wird derzeit verschiedentlich in der politischen Bildung aufgegriffen.

So fand am 20. und 21. November in Bochum die Jahrestagung der Transferstelle für politische Bildung zum Thema „Gemeinsam stärker?! Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule“ statt, an der ich für das GESW teilnehmen durfte. Die Ergebnisse aller Vorträge, Podiumsdiskussionen und Transferdialoge sind hier als Graphic Recordings einsehbar. Ich ergänze sie an dieser Stelle um einige persönliche Beobachtungen.

Dass politische Jugendbildung in allen Schwerpunkten des GESW – Europa, Geschichte, Teilhabe und Interkulturelles – von großer Bedeutung ist, steht außer Frage. Auch das Bewusstsein dafür, Schüler*innen an außerschulischen Lernorten zu Erfahrungen zu verhelfen, die sie im Klassenzimmer nicht machen können, ist an den Schulen vorhanden. Besonders hoch im Kurs stehen Gedenkstättenfahrten. Dagegen erleben wir es hier in Vlotho als es zunehmend schwierig, die Vorteile von Seminaren in einer Bildungsstätte zu vermitteln. Dabei soll die politische Bildung bei uns ja gerade keine Verlängerung des Schulunterrichts sein – wenngleich die Themen natürlich anschlussfähig sind. Der Einsatz nonformaler Methoden und die intensive Arbeit an politischen Themen ohne den Druck des nächsten Zeugnisses sollen im Idealfall dazu führen, dass Teilnehmende neue Perspektiven auf ihre Rolle in der Gesellschaft, Möglichkeiten der Partizipation und politische Zusammenhänge in der Welt gewinnen – Lernziele, die im Schulalltag zugunsten der Kompetenz- und Wissensvermittlung nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen können wie hier. In diesem Sinne begreife ich meine Arbeit als politische Bildnerin.

Leider war der Anteil von Lehrer*innen unter den Konferenzteilnehmenden sehr gering, und diejenigen, die dabei waren, waren der außerschulischen Bildung überaus wohlgesonnen. Das ist im gegebenen Format sicherlich zu erwarten, dennoch hätte ich mir eine zwischen außerschulischer und schulischer Bildung ausgewogenere Teilnehmendenschaft gewünscht, um auftretende Probleme insbesondere bei der Gewinnung von Kooperationspartnern substanzieller diskutieren zu können. Da beide Seiten so viel voneinander gewinnen können, wäre es schade, die Schwierigkeiten auf die Schlagworte von Zeit und Geld zu reduzieren. Dazu ist ein ausführlicher Dialog nötig, an dem sich beide Seiten gleichermaßen betgeiligen und in dem vor allem die Erwartungen und Wünsche beider Seiten auf den Tisch kommen müssen.

Die Friedrich Ebert Stiftung ist die nächste, die das Phänomen von politischer Bildung und Schule beleuchtet, allerdings ohne auf die Rolle außerschulischer Träger einzugehen. Sie lädt im Januar zur Konferenz „Populismus, Fake News, Lügenpresse – Herausforderungen politischer Bildung an Schulen“ (mehr Informationen hier). Spannend wird sein, ob dort das Ungleichgewicht andersherum gelagert ist: ausschließlich Lehrer*innen, wenige außerschulische politische Bildner*innen? Ich werde es persönlich überprüfen und bin gespannt, was die Diskussionen ergeben.

Mariella Gronenthal ist pädagogisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin am GESW.

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